Die Assanierung von Josefov war ein flächendeckender Umbau des ehemaligen Judenviertels und angrenzender Teile der Prager Altstadt und von Nové Město, den die Assanierungsgesetze von 1893 ermöglichten.[1] Bis 1914 wurden 469 Häuser abgerissen, und anstelle der alten Gassen entstand ein neues Straßennetz mit der Mikulášská-Straße, der heutigen Pařížská-Straße.[1] Von der ursprünglichen Bebauung des Ghettos blieben das jüdische Rathaus, der Alte Jüdische Friedhof und sechs Synagogen erhalten.[9]

1850: Das Judenviertel wird fünfter Stadtteil Prags

Im Jahr 1850 wurde das Judenviertel an Prag angeschlossen und erhielt den Namen Josefov (Prag).[6] Es wurde neben der Prager Altstadt, Nové Město, der Kleinseite und Hradčany zum fünften Prager Stadtteil.[4] Das Ghetto war dicht bebaut, da Juden bis zu seiner Aufhebung nicht außerhalb seiner Grenzen wohnen durften. Wohlhabendere Bewohner zogen nach 1850 in neuere Teile Prags, und Josefov wurde zu einem Armenviertel. Laut einer Statistik von 1889 stellten Juden nur noch etwa ein Zehntel seiner Einwohner.[3]

Als Gründe für die Assanierung wurden die hygienischen Verhältnisse genannt: mangelhaftes Brunnenwasser, fehlende Kanalisation und Überbelegung. Das tief gelegene Gebiet am Fluss wurde zudem bei der Schneeschmelze im Frühjahr überschwemmt, und die Keller der Häuser blieben das ganze Jahr über feucht.[3] Der Stadtrat gab in einem Gesuch vom 4. Dezember 1883 an, dass die Einwohnerzahl Prags in den Jahren 1869–1880 um 1,2 % gesunken, in den sechs nächstgelegenen Vorstädten dagegen um 121 % gestiegen sei. Im gleichen Zeitraum entstanden in Prag 136 Neubauten und in den Vorstädten 1050.[2] Der Stadtphysikus Jindřich Záhoř legte dem städtischen Gesundheitsrat am 28. März 1885 einen Vorschlag vor, nach dem Josefov und der untere Teil der Prager Altstadt abgerissen und neu errichtet werden sollten.[2]

1882–1887: Vom Steuergesuch zum Wettbewerb „Finis Ghetto“

Die Vorbereitungen der Assanierung begannen im Jahr 1882.[1] Das Kollegium der Gemeindeältesten beschloss am 20. September 1882, für Neubauten eine Befreiung von der Mietzinssteuer auf 30 Jahre und für Umbauten auf 25 Jahre zu beantragen. Am 6. März 1886 sandte der Stadtrat eine Petition an den Kaiser. Das Finanzministerium sagte im Dezember 1886 eine Befreiung auf 20 Jahre für Bauten zu, die innerhalb von zehn Jahren benutzbar sein würden.[2] In einer vertraulichen Sitzung am 17. Dezember 1886 wurde der Assanierungsbezirk auf Josefov, den überschwemmungsgefährdeten Teil der Prager Altstadt und das Adalbertsviertel in Nové Město beschränkt.[2]

Der öffentliche Wettbewerb für den Regulierungsplan wurde am 1. Oktober 1886 ausgeschrieben. Die Jury beurteilte fünf Entwürfe, und den ersten Preis erhielt im Februar 1887 der Entwurf mit dem Kennwort „Finis Ghetto“ von Alfréd Hurtig, Matěj Strunc und Jan Hejda. Die Pläne wurden 14 Tage lang im Altstädter Rathaus ausgestellt.[2] Hurtigs Entwurf sah den Abriss fast der gesamten historischen Wohnbebauung der ganzen Prager Altstadt außer ausgewählten Kirchen und öffentlichen Gebäuden vor.[2] Jan Neruda schrieb im März 1887 über die ausgestellten Pläne ein ironisches Feuilleton für die Národní listy.[2]

11. Februar 1893: zwei Reichs- und zwei Landesgesetze

Das Assanierungsgesetz für Prag unterzeichnete Kaiser Franz Joseph I. am 11. Februar 1893 in Wien.[5] Die Gesetze wurden unter den Nummern 22 und 23 des Reichsgesetzblatts und unter den Nummern 23 und 27 des Landesgesetzblatts verkündet und traten am 7. April 1893 in Kraft.[2] Gesetz Nr. 22 grenzte den Assanierungsbezirk ab und gab der Stadt Prag für zehn Jahre das Enteignungsrecht. Die Hausbesitzer sollten aufgefordert werden, ihre Immobilie binnen zwei Jahren mit dem Regulierungsplan in Einklang zu bringen, andernfalls folgte die Enteignung. Gesetz Nr. 23 befreite Neubauten für 20 Jahre von der Hauszinssteuer, und die Landesgesetze fügten die Befreiung von Landes-, Gemeinde- und Schulumlagen hinzu.[2]

Laut ČT24 hatten die Assanierungsbezirke eine Fläche von über 380 000 m² und umfassten 608 Häuser.[1] Der Bezirk von Josefov und der Prager Altstadt hatte nach zeitgenössischen Aufstellungen 365 476 m², davon 92 984 m² in Josefov und 272 492 m² in der Prager Altstadt, und zu ihm gehörten 584 Häuser mit 1793 Eigentümern dazu. Der Bezirk in Nové Město hatte 14 672 m² und 18 Häuser.[2] Der Hauptbezirk wurde grob von der Moldau, der heutigen Revoluční-Straße, der Dlouhá-Straße und der Platnéřská-Straße begrenzt. Der kleinere Bezirk in Nové Město lag zwischen der Moldau und den Straßen Ostrovní, Pštrossova und Myslíkova.[1] Der Bezirk wurde in 38 mit römischen Ziffern bezeichnete Baugruppen eingeteilt.[2]

1893–1896: Büro, Anleihe über 6 Millionen Gulden und erste Enteignungen

Das Assanierungsbüro des Prager Magistrats nahm seine Tätigkeit am 16. März 1893 auf.[2] Im August 1893 erhielt der Stadtrat drei Angebote zur Übernahme des Enteignungsrechts, unter anderem vom Architekten Jan Zeyer und von zwei Pariser Interessenten. Keines führte zu einer Einigung, und das Angebot Zeyers lehnte der Rat im Juli 1894 ab.[2] Das Kollegium der Gemeindeältesten billigte am 28. November 1895, dass die Stadt die Assanierung selbst durchführt, und schlug dafür eine Anleihe von 6 Millionen Gulden vor. Die Zemská banka legte als einziges von sieben angesprochenen Instituten ein Angebot vor, und die Stadt nahm es am 10. August 1896 zunächst in halber Höhe von 3 Millionen Gulden an.[2] Der Stadtrat stellte am 14. Januar 1896 fest, dass für die ausgesiedelten Bewohner von Josefov nichts unternommen werden müsse.[2]

Vom 16. März bis zum 21. Mai 1896 fand das Enteignungsverfahren in den Gruppen XXX, XXXI, XXXV und XXXVI zwischen den Straßen Josefovská, Dušní, dem Altstädter Ring und der Mikulášská statt. Es betraf 65 Häuser mit 249 Eigentümern, und die Stadt zahlte dafür 1 955 220 Gulden.[2] Als erste im Bezirk wurden zwischen November 1895 und März 1896 vier Häuser an der Ecke der Straßen Platnéřská und Křižovnická abgerissen.[2]

Ab Oktober 1896: erste Blöcke und Besichtigungen mit Kerzen

Der teilweise Abriss begann 1895, umfangreiche Abbrucharbeiten folgten ab Oktober 1896.[1] Man begann an der Stelle, wo die neue Straße auf den Altstädter Ring mündet.[3] Ende Oktober 1896 schrieb der Stadtrat das Verfahren für den Abriss der ersten 28 Häuser aus, von denen 15 in der Maislova-Straße standen. Die Ústřední matice školská veranstaltete in den geräumten Häusern kostenpflichtige Besichtigungen, und am Sonntag, dem 6. Dezember 1896, nutzten sie über 2000 Menschen.[2] Der Abriss endete am 1. April 1897, und 21 700 Fuhren Schutt wurden hauptsächlich nach Bubny gebracht, um das Überschwemmungsgebiet in Maniny aufzufüllen.[2] Die zweite Gruppe von 21 Häusern lag zwischen den Straßen Úzká, Josefská, Dušní, Dlouhá und dem Altstädter Ring, und zu ihr gehörte auch das aufgehobene Benediktinerkloster bei St. Nikolaus. Zu den Besichtigungen am 27. und 30. Mai 1897 kamen 2165 Menschen.[2]

Bis 1897 wurden in den ersten vier Gruppen 54 Häuser abgerissen. Der Verkauf von 42 Bauplätzen wurde im Juni 1897 ausgeschrieben, die Stadt erhielt jedoch kein Angebot.[2] Die ersten fertigen Bauten in diesem Teil des Bezirks waren 1897 zwei Häuser des Kaufmanns František Šír, Konskriptionsnr. 934 und 935, an der Nordseite des Altstädter Rings. Der Landesausschuss versuchte um die Jahreswende 1898/1899, die benachbarten Häuser Konskriptionsnr. 931, 932 und 933 zu retten. Der Stadtrat entschied am 27. Januar 1899 über ihren Abriss, und im Frühjahr 1899 wurden sie niedergerissen.[2] Nach einem Bericht des Leiters des Assanierungsbüros August Stein vom 20. Februar 1903 hatte die Stadt bis dahin 128 Häuser abgerissen, weitere 22 hatten die Eigentümer selbst abgerissen, und im Bezirk standen 67 Neubauten.[2]

469 Häuser bis 1914

Die Geltung der Gesetze sollte ursprünglich auf zehn Jahre beschränkt sein. Im April 1903 wurden sie um weitere zehn Jahre verlängert, und dasselbe wiederholte sich in den Jahren 1913, 1923 und 1933 mit Geltung bis zum 7. April 1943.[1] Die Verlängerung von 1903 verkündeten die Gesetze Nr. 88 und 96 des Reichsgesetzblatts und Nr. 45 und 46 des Landesgesetzblatts, und die neue Etappe finanzierte eine Anleihe über 10 Millionen Kronen bei der Zemská banka.[2]

Die größten Eingriffe erfolgten bis 1914, als insgesamt 469 Häuser abgerissen wurden: 247 in Josefov, 198 in der Prager Altstadt und 24 in Nové Město.[1] Während der beiden Weltkriege stagnierte die Assanierung. In den 1920er und 1930er Jahren konzentrierte sie sich auf den östlichen Rand des Altstädter Bezirks zwischen den Straßen Dlouhá, Hradební, Haštalská, U Obecního dvora und Řásnovka, wo der Assanierungsplan nicht vollendet wurde.[2]

Drei von neun Synagogen

Von den neun Synagogen in Josefov verschwanden bei der Assanierung drei.[1] Die Nová synagoga vom Ende des 16. Jahrhunderts in der heutigen Široká-Straße wurde 1898 abgerissen. Die Velkodvorská synagoga vom Anfang des 17. Jahrhunderts stand am Ende der heutigen Pařížská-Straße an der Stelle des Platzes vor dem Hotel Intercontinental und wurde 1902 abgerissen. Die Cikánova synagoga von 1613 in der Bílkova-Straße wurde 1906 abgerissen.[1] Die Klausen-Synagoge blieb erhalten.[10] Im Jahr 1906 wurde in der Jeruzalémská-Straße die Jubiläumssynagoge errichtet.[1]

Die Maisel-Synagoge verlor ihre frühere markante Stellung und erhielt nach einem Entwurf von Alfred Grotte die neugotische Gestalt, die sie bis heute hat.[11] Im Jahr 1903 musste die jüdische Gemeinde einen Teil des Alten Jüdischen Friedhofs für eine neue Straße abtreten, die heutige Straße 17. listopadu. Die exhumierten Gebeine wurden auf dem Hügel Nefele vor der Klausen-Synagoge beigesetzt.[16] Die Beerdigungsbruderschaft errichtete in den Jahren 1906–1908 nach einem Entwurf von Jan Gerstl und Alois Gabriel eine Zeremonienhalle.[14]

Was verschwand

  • Die Nová synagoga, abgerissen 1898; die Velkodvorská synagoga, abgerissen 1902; die Cikánova synagoga, abgerissen 1906.[1]
  • Die Straßen Rabínská, Meislova, Střelná, Červená und Masařská.[1]
  • Die Straßen Hřebenářská und Poštovská (seit 1870 Fialková), die vom nördlichen Teil der Pařížská-Straße überbaut wurden.[4]
  • Der Platz Rynek bei der Valentinská-Straße, der als ältester Platz am rechten Moldauufer gilt, verschwand um 1900.[4]
  • Der Johannesplatz am Ufer bei der Pařížská-Straße, der zu einer Straße wurde, und der Hof Boršov.[4]
  • Das Haus Konskriptionsnr. 16/I in der Kaprova-Straße, im 14. Jahrhundert Eigentum des Bischofs Johann von Neumarkt, abgerissen 1909.[4]
  • Das Krennův dům, das vom Altstädter Ring aus den Blick auf die Kirche Kostel sv. Mikuláše verdeckte.[1]
  • Die Häuser Konskriptionsnr. 931, 932 und 933 an der Nordseite des Altstädter Rings, abgerissen im Frühjahr 1899.[2]
  • Das Gebäude des alten Stempelamts Konskriptionsnr. 922/I in der Dlouhá-Straße, dessen Rettung sich nicht durchsetzen ließ.[2]
  • Die alte Bebauung des Adalbertsviertels in Nové Město, abgerissen um 1900.[4]
  • Ein Teil des Alten Jüdischen Friedhofs, 1903 der Straße 17. listopadu abgetreten.[16]

Was blieb

  • Sechs Synagogen: die Altneu-, Pinkas-, Maisel-, Klausen-, Hohe und Spanische Synagoge.[9]
  • Die Altneu-Synagoge, deren Mittelteil aus der Wende der 1270er zu den 1280er Jahren stammt.[19]
  • Die Pinkas-Synagoge von 1535, die zweitälteste erhaltene Synagoge in Prag.[13]
  • Die Klausen-Synagoge von 1694, die größte Synagoge des ehemaligen Ghettos.[10]
  • Die Spanische Synagoge von 1868, errichtet an der Stelle der 1867 abgerissenen Alten Schule.[12]
  • Das jüdische Rathaus in der Maiselova-Straße aus den Jahren 1763–1765 mit einer Uhr mit hebräischem Zifferblatt.[5]
  • Der Alte Jüdische Friedhof, auf dem in den Jahren 1439–1787 bestattet wurde und auf dem über 12 000 Grabsteine stehen.[15]
  • Die Kirche Kostel sv. Vojtěcha mit Pfarrhaus und Glockenturm im Adalbertsviertel.[4]

Die Mikulášská-Straße: von der Assanierungsstraße zur Pařížská-Straße

Das neue Viertel sollte eine repräsentative Wohn- und Geschäftsstraße durchziehen, die von den Pariser Boulevards und der Wiener Ringstraße inspiriert war.[3] Im Jahr 1901 erhielt sie zu Ehren des russischen Zaren Nikolaus II. den Namen Mikulášská. Nach mehreren weiteren Änderungen trägt sie seit dem 8. Dezember 1947 den Namen Pařížská.[4] Die freigewordenen und hergerichteten Parzellen verkaufte die Stadt an Bauunternehmer, die Häuserblöcke in Stilen vom Historismus bis zum Jugendstil errichteten.[3] Die Häuser in der neuen Straße entwarfen unter anderem Rudolf Kříženecký, Jan Koula, Alois Dlabač, Rudolf Koukola und František Buldra.[4]

Alle Baugrundstücke in den Gruppen XXX, XXXI, XXXV, XXXVI, IX und XXXIII waren bis Ende 1902 verkauft.[2] Die Kaprova-Straße wurde nach der Assanierung von Architekten des frühen 20. Jahrhunderts völlig neu bebaut.[4] Um das jüdische Rathaus herum entstanden hohe Mietshäuser, meist um 1900, sodass sein 27,5 m hohes Türmchen in der umgebenden Bebauung heute nicht hervortritt.[5] Der Bezirk in Nové Město im Adalbertsviertel wurde im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bebaut.[2]

Auseinandersetzungen: Osternmanifest, Bestia triumphans und der Klub Za starou Prahu

Der Kunsthistoriker Karel Chytil schlug am 18. März 1893 in den Národní listy vor, die zum Abriss bestimmten Häuser vor dem Abbruch zu untersuchen und zu fotografieren.[2] Der Stadtrat billigte am 13. Juni 1893 die Einrichtung einer Kommission für die Bestandsaufnahme der Denkmäler. Die Kommission hatte nur beratende Stimme. Auf ihre Anregung entstanden die fotografische Dokumentation des Ghettos von Jindřich Eckert, 150 Aquarelle von Václav Jansa und eine Reihe von Ölgemälden von Jan Minařík. Die Aquarelle und Gemälde befinden sich im Museum der Hauptstadt Prag.[2]

Am 5. April 1896 erschien in den Národní listy das Manifest „Českému lidu!“ („An das tschechische Volk!“), das Osternmanifest genannt wird und dessen Text Vilém Mrštík stilisierte.[2] Das Manifest unterzeichneten unter anderem Alois Jirásek, Otokar Březina, F. X. Šalda, Mikoláš Aleš und Josef Václav Myslbek.[1] Im November 1896 setzte der Stadtrat eine Künstlerkommission aus Architekten ein, zu denen Josef Zítek und Jan Koula gehörten. Der Rat lehnte ihre Vorschläge zur Änderung des Assanierungsplans am 12. November 1897 ab, und die Kommission trat am 23. Februar 1898 zurück.[2]

Mrštík veröffentlichte 1897 die Abhandlung Bestia triumphans mit einem Umschlag von Zdenka Braunerová.[7] Den Titel entlehnte er von Friedrich Nietzsche.[1] Der Stadtrat Karel Černohorský reagierte in der Sitzung am 20. März 1897 auf die Abhandlung in den Rozhledy mit dem Vorschlag, die Kirche Kostel sv. Václava na Zderaze abzureißen. Nach dem Rücktritt der Künstlerkommission schrieb Mrštík 1898 eine zweite Abhandlung gleichen Namens.[2] Auf einer Studentenversammlung im Karolinum am 27. November 1898 wurde ein Aufruf an das tschechische Volk verlesen, und am 16. April 1899 fand im Žofín eine Protestversammlung statt.[2] Dort forderte Luboš Jeřábek eine Änderung der Bauordnung zugunsten des gesetzlichen Schutzes historischer Objekte.[7]

Der Klub Za starou Prahu wurde am 28. Januar 1900 gegründet. Der Klub nennt Vilém Mrštík als geistigen Vater seiner Idee.[8] Nach Angaben des Stadtbezirks Prag 1 verhinderte der Widerstand der Kulturöffentlichkeit weitere Abrisse, die die Prager Altstadt und die Kleinseite hätten treffen sollen.[4] Die Vorsitzende des Klubs Kateřina Bečková sagte 2013 gegenüber ČT24, die Proteste hätten sich nicht gegen die Assanierung von Josefov gerichtet, sondern gegen Abrisse in der Prager Altstadt und auf der Kleinseite. Josefov sei damals als vernachlässigtes Viertel anerkannt worden, das saniert werden müsse.[1] In ihrer Studie erinnert sie auch daran, dass eine Reihe von Abrissen in der Prager Altstadt und auf der Kleinseite aus derselben Zeit nicht von der Stadt, sondern von privaten Hausbesitzern durchgeführt wurde.[2]

1906: ein Museum aus Gegenständen abgerissener Synagogen

Im Jahr 1906 entstand unter der Leitung von Salomon Hugo Lieben und August Stein ein Verein zur Gründung und Erhaltung eines jüdischen Museums in Prag. Unmittelbarer Anlass war die Bedrohung mehrerer Synagogen und Bethäuser.[17] Der Verein rettete einen Teil der liturgischen Gegenstände aus der Cikánova synagoga, der Velkodvorská synagoga und der Nová synagoga. August Stein war beim Magistrat für die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den Hausbesitzern im Assanierungsbezirk zuständig.[17] Die erste Ausstellung wurde 1909 in der Benediktská-Straße eröffnet, und 1926 zog das Museum in die Zeremonienhalle am Alten Jüdischen Friedhof um.[17]

Das Aussehen des Viertels vor der Assanierung zeigt das Papiermodell Prags von Antonín Langweil, an dem er ab 1826 arbeitete und das er elf Jahre lang baute. Auf einer Fläche von etwa 20 m² stellt es im Maßstab 1 : 480 über zweitausend Gebäude dar, darunter Hunderte abgerissener Häuser des Judenviertels und der Prager Altstadt. Es ist im Museum der Hauptstadt Prag ausgestellt.[18]

Heutiger Zustand

Laut dem Jüdischen Museum in Prag bilden die erhaltenen Denkmäler von Josefov das am besten erhaltene Ensemble jüdischer Denkmäler in Europa.[9] Nach dem Portal der Hauptstadt wurden die übrigen Objekte auch während der nationalsozialistischen Besatzung nicht zerstört, weil die Nationalsozialisten sie als Freilichtmuseum einer untergegangenen jüdischen Zivilisation vorgesehen hatten.[6] Der historische Kern Prags einschließlich Josefov wurde am 21. Juli 1971 zum Denkmalreservat mit einer Fläche von 866 Hektar.[20] Am 14. Dezember 1992 wurde das Prager Denkmalreservat als Historisches Zentrum von Prag in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen.[21]

Chronologie

  • 1850: Das Judenviertel wird als Josefov an Prag angeschlossen.[6]
  • 20. 9. 1882: Das Kollegium der Gemeindeältesten beantragt Steuererleichterungen für Neubauten.[2]
  • 28. 3. 1885: Vorschlag des Stadtphysikus Jindřich Záhoř, Josefov abzureißen.[2]
  • 1. 10. 1886: Der Wettbewerb für den Regulierungsplan wird ausgeschrieben; im Februar 1887 gewinnt „Finis Ghetto“.[2]
  • 11. 2. 1893: Der Kaiser unterzeichnet das Assanierungsgesetz.[5]
  • 7. 4. 1893: Die Gesetze Nr. 22 und 23 des RGBl. treten in Kraft.[2]
  • 13. 6. 1893: Die Kommission für die Bestandsaufnahme der Denkmäler wird eingerichtet.[2]
  • November 1895: erste Abrisse an der Ecke Platnéřská und Křižovnická.[2]
  • 5. 4. 1896: Osternmanifest in den Národní listy.[2]
  • Oktober 1896: Umfangreiche Abbrucharbeiten beginnen.[1]
  • 1897: Mrštíks Bestia triumphans.[7]
  • 23. 2. 1898: Rücktritt der Künstlerkommission.[2]
  • 1898: Abriss der Nová synagoga.[1]
  • Frühjahr 1899: Abriss der Häuser Konskriptionsnr. 931–933 am Altstädter Ring.[2]
  • 28. 1. 1900: Gründung des Klubs Za starou Prahu.[8]
  • 1901: Die neue Straße erhält den Namen Mikulášská.[4]
  • 1902: Abriss der Velkodvorská synagoga.[1]
  • 1903: Verlängerung der Gesetze um zehn Jahre, Verkleinerung des Alten Jüdischen Friedhofs.[1]
  • 1906: Abriss der Cikánova synagoga, Bau der Jubiläumssynagoge, Gründung des jüdischen Museumsvereins.[1][17]
  • 1914: Insgesamt 469 Häuser abgerissen.[1]
  • 7. 4. 1943: Die Geltung der Assanierungsgesetze endet.[1]
  • 8. 12. 1947: Die Mikulášská-Straße wird in Pařížská umbenannt.[4]
  • 21. 7. 1971: Das Prager Denkmalreservat wird ausgerufen.[20]
  • 14. 12. 1992: Eintragung des Historischen Zentrums von Prag in die UNESCO-Welterbeliste.[21]

Zusammenfassung

Die Assanierungsgesetze galten vom 7. April 1893 bis zum 7. April 1943.[1] Die Bezirke mit einer Fläche von über 380 000 m² umfassten 608 Häuser. Bis 1914 wurden davon 469 abgerissen, davon 247 in Josefov.[1] Von den neun Synagogen in Josefov verschwanden drei und sechs blieben, zusammen mit dem Rathaus und dem Alten Jüdischen Friedhof, der 1903 verkleinert wurde.[1][9] An der Stelle der abgerissenen Bebauung entstand die Mikulášská-Straße, seit 1947 Pařížská-Straße, mit Häusern in Stilen vom Historismus bis zum Jugendstil.[3][4] Aus der Assanierung gingen die Kommissionen für die Bestandsaufnahme der Denkmäler, der Klub Za starou Prahu und das Jüdische Museum in Prag hervor.[2][8][17] Das Gebiet ist seit 1971 Denkmalreservat und seit 1992 Teil des UNESCO-Welterbes.[20][21]

Quellen

  1. ČT24 — Česká televize — 12. Februar 2013
  2. Klub Za starou Prahu
  3. Aktuálně.cz — 8. Februar 2023
  4. Městská část Praha 1
  5. Magistrát hl. m. Prahy (Praha virtuální)
  6. Magistrát hl. m. Prahy (Praha virtuální)
  7. Klub Za starou Prahu
  8. Klub Za starou Prahu
  9. Židovské muzeum v Praze
  10. Židovské muzeum v Praze
  11. Židovské muzeum v Praze
  12. Židovské muzeum v Praze
  13. Židovské muzeum v Praze
  14. Židovské muzeum v Praze
  15. Židovské muzeum v Praze
  16. Prague City Tourism (prague.eu)
  17. Židovské muzeum v Praze
  18. Muzeum Prahy
  19. Národní památkový ústav (Památkový katalog)
  20. ČT24 — Česká televize — 21. Juli 2026
  21. Národní památkový ústav