Ein Ensemble der Insignien der böhmischen Könige mit der Wenzelskrone aus der Zeit Karls IV.; es wird in der Korunní komora des Veitsdoms auf der Prager Burg aufbewahrt.

Die Böhmischen Kronjuwelen, ausgestellt im Mai 2016
Die Böhmischen Kronjuwelen, ausgestellt im Mai 2016Foto: K. Pacovsky, 2016 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Die Böhmischen Kronjuwelen sind ein Ensemble königlicher Insignien, das aus der Wenzelskrone, dem königlichen Zepter und Reichsapfel, deren Lederfutteralen, dem Kronenkissen und dem Krönungsmantel besteht.[2] Sie werden in der Korunní komora des Veitsdoms auf der Prager Burg aufbewahrt.[3]

Insignien

Die Königskrone, Wenzelskrone genannt, ließ Karl IV. im Jahr 1346 anfertigen.[2] Sie war die wichtigste Herrscherinsignie des Königreichs Böhmen.[1] Karl IV. ließ sie für seine Krönung zum böhmischen König im Jahr 1347 anfertigen.[2] Die Krone besteht aus 22-karätigem Goldblech und ist mit Saphiren, Spinellen, einem Rubellit, einem Aquamarin und Perlen besetzt. In den Fassungen sind Glieder aus dem Gürtel der Königin Blanka befestigt. In dem goldenen Kreuz an der Spitze befindet sich eine Saphirkamee mit einem Relief des Gekreuzigten, und eine eingravierte Inschrift bestätigt die Einfügung eines Dorns aus der Krone Christi. Die Krone hat einen Durchmesser und eine Höhe von 19 cm und wiegt 2358 g.[1] Ihrem Zweck dienten die Juwelen zuletzt am 7. September 1836, als Ferdinand der Gütige als böhmischer König eingesetzt wurde; sein Nachfolger Franz Joseph I. und Karl I. wurden nicht gekrönt.[4]

Zepter und Reichsapfel fertigte der Augsburger Goldschmied Hans Haller in den Jahren 1533–1534 für Ferdinand I. von Habsburg an, und sie wurden der Krone nachträglich zugeordnet. Das Zepter aus 18-karätigem Gold ist 67 cm lang und wiegt 1013 g. Der Reichsapfel hat einen Durchmesser von 13 cm, eine Höhe von 22 cm und ein Gewicht von 780 g, seine beiden Halbkugeln zieren Reliefs mit Motiven aus dem Alten Testament.[1]

Sieben Schlüssel

Die Juwelen lassen sich nur dann aus der Korunní komora entnehmen, wenn alle sieben Schlüsselträger zusammenkommen. Es sind der Präsident der Republik, der Ministerpräsident, die Vorsitzenden des Senats des Parlaments der Tschechischen Republik und des Abgeordnetenhauses des Parlaments der Tschechischen Republik, der Prager Erzbischof, der Prager Oberbürgermeister und der Dekan des Metropolitankapitels zu St. Veit.[2]

Im Zweiten Weltkrieg

Am 19. September 1938 wurden die Juwelen heimlich in eine Zweigstelle der Nationalbank der Tschechoslowakei in Žilina gebracht und kehrten nach dem Münchner Abkommen nach Prag zurück. Im Jahr 1940 entschied der Reichsprotektor Konstantin von Neurath über eine neue Verteilung der Schlüssel, und im November 1941 wurden alle Schlüssel an Reinhard Heydrich übergeben. Die Legende, er habe sich die Krone aufgesetzt, ist nach Angaben der Verwaltung der Prager Burg unbelegt.[1] In den Jahren 1943–1944 entstand im romanischen Untergeschoss des Alten Königspalasts nach einem Entwurf des Architekten Pavel Janák eine gemauerte Kammer, in der Krone, Zepter und Reichsapfel bis zum Kriegsende blieben. Feierlich wurden sie am 24. Oktober 1945 geborgen und im Veitsdom bei den Feierlichkeiten am 28. Oktober der Öffentlichkeit gezeigt.[1]

Ausstellungen

Über das jährliche Ausstellen der Juwelen entschied 2024 Präsident Petr Pavel.[2] Die Ausstellung des Jahres 2026 trug den Titel Habsburger 500 und stellte die Schicksale der Juwelen vom Regierungsantritt Ferdinands I. im Jahr 1526 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dar.[2] Zu den ausgestellten Gegenständen gehörten auch historische Schlüssel der Hüter des Kronarchivs und der Juwelen sowie ein Krönungsgewand von 1653.[5] Sie dauerte im Wladislawsaal vom 15. bis zum 28. September und wurde von etwa 36 600 Menschen besucht, weniger als im Vorjahr mit 51 553 Besuchern. Am 18. September 2026 war die Ausstellung wegen des Staatsbesuchs des jordanischen Königs Abdullah II. etwa einen halben Tag geschlossen.[5] Nach Angaben der Kommunikationsabteilung der Burg stellten etwa 9000 Besucher Schulgruppen, für die die ersten vier Tage reserviert waren, und die Öffentlichkeit sah die Juwelen an zehn Tagen, an denen die Ausstellung 27 606 Menschen besuchten.[5] In die Korunní komora sollten die Juwelen am Dienstag, dem 29. September, vormittags zurückkehren.[3]

Die erste öffentliche Ausstellung der Juwelen fand 1929 anlässlich des tausendsten Todesjahrs des heiligen Wenzel statt.[4]

Unter den Präsidenten Václav Havel und Václav Klaus wurden die Juwelen zweimal ausgestellt, unter Miloš Zeman viermal.[4]

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Quellen

  1. Správa Pražského hradu —
  2. ČTK / České noviny — 19. September 2026
  3. ČTK / České noviny — 28. September 2026
  4. Pražský deník — 29. September 2026
  5. Pražský patriot — 29. September 2026