Die Pinkas-Synagoge in Prag ist die zweitälteste erhaltene Synagoge der Stadt und dient als Gedenkstätte für die Opfer der Schoa aus Böhmen und Mähren.

Pinkas-Synagoge in Prag, 2017
Pinkas-Synagoge in Prag, 2017Foto: VitVit, 2017 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Die Pinkas-Synagoge befindet sich im Prager Židovské Město und ist Teil des Besichtigungsrundgangs des Jüdischen Museums in Prag. Nach Angaben des Jüdischen Museums ist sie die zweitälteste erhaltene Synagoge in Prag und eine der eindrucksvollsten Stationen seines Museumsrundgangs [1].

Geschichte

An der Stelle des heutigen Baus entstand im Jahr 1492 ein kleineres Bethaus beim Haus „U Erbů“ [1]. Im Jahr 1535 ließ Aron Mešulam Horovitz die Synagoge im spätgotischen Stil errichten, laut Museum eines der bedeutenden Mitglieder der Prager jüdischen Gemeinde [1]. Ihren Namen erhielt die Synagoge wahrscheinlich nach seinem Enkel, dem Rabbiner Pinkas Horovitz [1]. Der Bau diente als private Familienbetstube, in seiner Nähe wurde ein rituelles Bad, eine Mikwe, eingerichtet [1].

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts fügte der Baumeister Juda de Herz eine Frauenempore, einen Vorraum und eine Eingangshalle hinzu [1]. Im Jahr 1860 wurde infolge eines Hochwassers der Boden des Hauptsaals um 1,5 Meter angehoben [1]. Ein weiteres Hochwasser traf den Bau im Jahr 2002, als das Wasser das Hauptschiff bis zu einer Höhe von 1,3 Metern überflutete [1]. Nach der Rekonstruktion wurde das Gebäude laut der englischen Version der Museumsseiten im Jahr 2003 wiedereröffnet [2].

Gestalt und Ausstattung

Die Synagoge trägt Merkmale der Spätgotik mit einem frühen Renaissanceportal [1]. Den Raum beleuchten fünf Fenster mit steinernem Maßwerk, die Wände zieren Strebepfeiler und eine Malerei, die Renaissancestuck nachahmt [1]. In der Mitte des Hauptschiffs steht eine steinerne Bima, umgeben von einem Rokoko-Gitter mit dem Motiv des Davidsterns und des Judenhuts, das Joachim Popper stiftete [1]. An den Seiten des Toraschreins (Aron ha-Kodesch) sind die Namen der Ghettos und Lager angebracht, in die die Transporte aus den böhmischen Ländern gingen [1].

Gedenkstätte der Schoa

Aus der ursprünglichen Familiensynagoge wurde laut Museum eine „sehr eindrucksvolle Gedenkstätte der Schoa“ [1]. Dank der Bemühungen der ersten Nachkriegsdirektorin des Museums, Hana Volavková, wurde die Synagoge in den Jahren 1955–1960 zu einer Gedenkstätte für fast 80 000 böhmische und mährische Juden umgestaltet, die Opfer der Schoa wurden [1]. Die Autoren der Wandinschrift der Namen, laut Museum eines der ältesten Denkmäler dieser Art in Europa, sind die Maler Václav Boštík und Jiří John [1]. Nach der sowjetischen Invasion im Jahr 1968 wurde die Gedenkstätte für mehr als 20 Jahre geschlossen und erst 1995 vollständig rekonstruiert und zugänglich gemacht [1]. In ihre ursprüngliche Gestalt wurde die Synagoge in den Jahren 1950–1954 wiederhergestellt [1]. Interessierte an der Familiengeschichte oder an der Schoa in den böhmischen Ländern können eine digitale Schnittstelle mit den Namen der Opfer und verfügbaren digitalisierten Dokumenten nutzen [1].

Ausstellung von Kinderzeichnungen aus Terezín

Im Obergeschoss der Synagoge befindet sich eine Dauerausstellung von Kinderzeichnungen aus dem Ghetto Terezín aus den Jahren 1942–1944 [1]. Die Sammlung umfasst 4 387 Zeichnungen und wird vom Jüdischen Museum in Prag betreut [1]. Das Museum gibt an, dass das Ghetto mehr als 10 000 Kinder unter 15 Jahren durchliefen und die Zeichnungen das Leben vor der Deportation, die Transporte, Träume und Alltag festhalten, wobei sie oft die einzige Spur der Kinder sind, die nicht zurückkehrten [1]. Seit dem Jahr 2025 ist diese Sammlung in das internationale Register Memory of the World der UNESCO eingetragen [1].

Stellung und praktische Informationen

Die Synagoge wird vom Jüdischen Museum in Prag verwaltet und ist Teil des Besichtigungsrundgangs Prager Židovské Město [1]. Laut den Seiten des Betreibers stehen im Objekt eine Kasse und ein Verleih von Audioguides zur Verfügung [1].

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Quellen

  1. Židovské muzeum v Praze
  2. Jewish Museum in Prague