Das Historische Zentrum von Prag ist der Name, unter dem das Prager Denkmalschutzgebiet in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen wurde. Die Eintragung erfolgte am 14. Dezember 1992 bei der Sitzung des Welterbekomitees in Santa Fe in New Mexico.[1]
Umfang und Grenzen
Es handelt sich um ein städtebauliches Ensemble, zu dem die Prager Altstadt, Josefov (Prag), das Nové Město, die Kleinseite, Vyšehrad und Hradčany gehören.[3] Das Prager Denkmalschutzgebiet misst laut dem Národní památkový ústav 894,94 Hektar. Das Institut bezeichnet es als das größte städtische Schutzgebiet des Landes und als eines der größten der Welt.[2] Das Welterbe besteht aus zwei Teilen: aus dem Historischen Zentrum von Prag in den Grenzen des Schutzgebiets und aus dem Park von Průhonice, also dem Schloss und dem Park in Průhonice, die 211,42 Hektar umfassen.[2]
Wert und Architektur
Die Eintragung wird mit dem einzigartigen Panorama, dem Reichtum der historischen Architektur und dem erhaltenen Stadtgrundriss begründet.[1] Laut dem Národní památkový ústav belegt die Architektur des Kerns 1100 Jahre Stadtentwicklung, und alle Stilepochen sind darin vertreten. Die Prager Architektur erreichte nach seinen Angaben Höhepunkte der europäischen Entwicklung in der Gotik, der Renaissance und dem Barock sowie in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Eine besondere Stellung hat das mittelalterliche städtebauliche Konzept der Nové Město.[2] Das Institut nennt als Dominanten etwa die Prager Burg, die Karlsbrücke, das Nationaltheater und das Rudolfinum, hinzu kommen kubistische Bauten, Kirchen und Klöster.[3]
Schutz und Gefährdung
Als Unterzeichnerin des internationalen Übereinkommens zum Schutz des Welterbes hat sich die Tschechische Republik verpflichtet, das Zentrum zu schützen.[1] Zu Beginn der 1990er Jahre war der historische Kern laut dem Národní památkový ústav von vierzig Jahren Kommunismus gezeichnet, und sein Baubestand befand sich in einem Zustand, der die Existenz der Werte selbst bedrohte. In den folgenden Jahren gelang es nach Angaben des Instituts, den Kern vor größeren Abrissen zu bewahren und seine Struktur sowie eine beträchtliche Authentizität der Bauten zu erhalten.[1]
Laut demselben Text vom 9. Januar 2023 gefährden das Zentrum die Beeinträchtigung der Sichtachsen durch Hochbauten, überdimensionierte Objekte und Aufbauten, die Bebauung von Innenhöfen, die Verdichtung der Bebauung und die Beeinträchtigung der Dachlandschaft. Als Beispiele nennt er Hochhäuser in Žižkov und in Pankrác sowie Neubauten im Nové Město, darunter Quadria, die Fertigstellung des Hotels Evropa und das Květinový dům am Wenzelsplatz. Laut dem Text haben die Neubauten Florentinum und Masaryk Centre 1 in der Umgebung des Bahnhofs Masarykovo nádraží die städtebauliche Struktur verletzt.[1]
Ein weiteres Risiko ist der Verkehr. Seine Intensität ging nach dem Höhepunkt an der Jahrtausendwende auf die Werte vom Beginn der 1990er Jahre zurück, doch eine Regulierung des Individualverkehrs im Zentrum selbst wurde laut dem Text nicht erprobt. Die UNESCO empfahl 2010 mit einer reaktiven Monitoringmission, die Anforderungen an die Zahl der Stellplätze in den Bauvorschriften zu senken, was später geschah, dennoch kamen im Zentrum in 30 Jahren Tausende Stellplätze hinzu.[1]
Der Denkmalbestand Prags
Das Prager Amt des Národní památkový ústav betreut den Denkmalbestand der gesamten Hauptstadt. Außer dem Schutzgebiet gibt es in Prag zwei ländliche Denkmalschutzgebiete (Stodůlky und Ruzyně), sieben ländliche Denkmalschutzzonen und elf städtische Denkmalschutzzonen. Geschützt wird unter anderem die Bebauung von Karlín, Vinohrady, Žižkov und Smíchov sowie die Gartenstadt Ořechovka. Um die geschützten Gebiete ist die Schutzzone des Prager Denkmalschutzgebiets festgelegt.[2] Laut dem Institut umfasst der Bestand 2120 unbewegliche Kulturdenkmäler, darunter 41 nationale.[2]