Stadtviertel im Norden Prags in einer Schleife der Moldau, aus dem zusammen mit dem benachbarten Bubny das heutige Prag 7 entstand; im 19. und 20. Jahrhundert eines der Industriezentren der Stadt.

Holešovice ist ein Stadtviertel im Norden Prags, das sich in einer Schleife der Moldau und an den Hängen der Letná-Anhöhe erstreckt.[4] Zusammen mit der benachbarten Gemeinde Bubny bildete es die Grundlage des heutigen Stadtbezirks Prag 7.[1] Die vereinigte Gemeinde Holešovice-Bubny wurde 1884 an Prag angeschlossen.[2]
Das Dorf am königlichen Tiergarten
Die Besiedlung am Ort von Holešovice, die seit dem 11. Jahrhundert belegt ist, ist älter als die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes. Diese stammt aus dem Jahr 1228 und nennt das Dorf als königlichen Besitz.[1] Holešovice lag am Rand eines Waldes, aus dem Ottokar II. Přemysl im 13. Jahrhundert einen königlichen Tiergarten einrichtete, das heutige Stromovka.[1] Wenzel III. schenkte die hiesigen Felder dem Burggrafen Hynek von Dubá, im 15. Jahrhundert gehörte das Dorf der Prager Altstadt, später den Bryknar von Brykštejn und vor seinem Tod auch Albrecht von Wallenstein. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zur Prager Altstadt zurück.[1] Kriegsschäden im Dreißigjährigen Krieg und im Österreichischen Erbfolgekrieg änderten seinen landwirtschaftlichen Charakter nicht.[1]
Das benachbarte Bubny lag über dem nördlichen Moldauufer an einer Furt, über die Kaufleute zu den Märkten der Prager Altstadt zogen. Zum ersten Mal nennt es die sogenannte Vyšehrader Fälschung zum Jahr 1088, die erste erhaltene Urkunde über die Gemeinde stammt aus dem Jahr 1234.[1] Schwedische Truppen brannten Bubny 1634 nieder, und weitere Zerstörung brachte ihm die Belagerung Prags im Jahr 1648.[1]

Industrieviertel
Die erste Fabrik in Holešovice war eine Kattundruckerei, die 1823 Maxmilián Dormitzer gründete. 1837 lebten in Holešovice etwa 830 Menschen in knapp hundert Häusern, in Bubny knapp dreihundert.[1] 1850 wurden beide Gemeinden amtlich zur Gemeinde Holešovice-Bubny mit einer Katasterfläche von fast 529 Hektar vereinigt.[1] Die Industrie entwickelte sich nach der Eröffnung der Strecke Prag–Lovosice im Jahr 1850 und vor allem nach der Fertigstellung der Buštěhradská dráha mit dem Bahnhof Bubny im Jahr 1868; im selben Jahr wurde die Brücke Kaiser Franz Josephs I. gebaut. Anfang der 1880er Jahre arbeiteten hier über dreißig Fabriken.[1]
Das Gesetz über den Anschluss von Holešovice-Bubny an Prag trat am 18. November 1884 in Kraft.[2] Die Gemeinde wurde der siebte Stadtteil, und diese Nummer behielt sie bis heute.[1] Die Stadt richtete hier danach mehrere Betriebe für ganz Prag ein: 1888 das städtische Gaswerk, 1895 den Zentralschlachthof mit Viehmarkt und zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Zentralkraftwerk, in dem auch Strom für die Straßenbahnen erzeugt wurde. 1897 begann der První pražský měšťanský pivovar zu brauen.[1] Der Schlachthof war bis 1983 in Betrieb, danach wurde das Areal zu einer Markthalle umgebaut und steht seit 1993 unter Denkmalschutz.[6] An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert baute die Stadt in zwei Etappen einen Flusshafen mit Umschlagplatz und Gleisanschluss.[1] Zwischen 1880 und 1900 stieg die Einwohnerzahl des siebten Stadtteils von knapp 11 Tausend auf fast 31 Tausend.[1] Das ländliche Aussehen bewahrte am längsten Zátory in der Umgebung des heutigen Bahnhofs Holešovice; es verschwand in den 1970er Jahren beim Bau eines Plattenwerks, des Bahnhofs, eines Busterminals und einer U-Bahn-Station.[1][3]
Im 20. Jahrhundert
In der Zwischenkriegszeit wandelte sich Letná zu einem Wohnviertel, während in Holešovice weiter die Industrie überwog. Der Libeňský most ersetzte die provisorische Holzbrücke nach Libeň, und im unteren Teil von Letná entstand der Veletržní palác.[1] Während der Besatzung beschlagnahmten deutsche Behörden den Veletržní palác und die beiden neuen Museen auf Letná.[1] Zwischen den Straßen Strojnická, Veletržní und Dukelských hrdinů richteten die Nationalsozialisten im Areal namens Radiotrh einen Sammelplatz für Juden ein. Vom Herbst 1941 bis zum Sommer 1944 fuhren vom Bahnhof Bubny Transporte nach Łódź und nach Terezín ab, und durch das Lager gingen über 50 000 Menschen.[1] Beim Prager Aufstand im Mai 1945 wurde an der Trojský most, auf Štvanice, am Bahnhof Bubny und auf Letná gekämpft.[1][4]
Anfang der 1970er Jahre veränderte der Bau der Magistrale die Umgebung der Hlávkův most, und 1974 brannte der Veletržní palác aus.[1] Am 3. November 1984 wurde der Betrieb der Metro Prag auf dem Abschnitt der U-Bahn-Linie C mit den Stationen Vltavská und Fučíkova aufgenommen; Letztere heißt seit 1990 Nádraží Holešovice.[5]
Nach 1989
In den 1990er Jahren ließ die Produktion in Prag 7 weiter nach, und zahlreiche Häuser gingen an die ursprünglichen Eigentümer zurück.[1] Im August 2002 überflutete ein Hochwasser einen großen Teil des unteren Holešovice und beschädigte etwa zweihundert Häuser; auch die U-Bahn-Station Vltavská geriet unter Wasser, und die Schäden in ganz Prag 7 überstiegen eine Milliarde Kronen.[1] Danach beschleunigte sich der Umbau alter Industrieareale, zum Beispiel der ehemaligen Bürgerbrauerei und der Dampfmühlen, zu Wohnungen und Geschäften.[1] Die Brauerei braut nicht mehr, und die Fabriken und Eisenbahnwerkstätten sind verschwunden.[3] Im Oktober 2008 brannte der linke Flügel des Průmyslový palác im Výstaviště Praha aus.[1]
Seiten, die hierher verlinken
- Ausstellung „Wie man den Himmel berührt“ im Výstaviště Praha
- Ende des Festivals Metronome Prague (Oktober 2026)
- Hochwasser in Tschechien (2002)
- Prag
- Prag 7
- Stromovka
- Wiedereröffnung des Průmyslový palác (September 2026)