Funktionalistisches Gebäude im Prager Stadtteil Holešovice aus den Jahren 1925–1928, errichtet für die Pražské vzorkové veletrhy; nach dem Brand von 1974 für die Nationalgalerie Prag wiederhergestellt.

Der Veletržní palác ist ein funktionalistisches Gebäude in der Straße Dukelských hrdinů im Prager Stadtteil Holešovice. Er wurde in den Jahren 1925–1928 von den Architekten Josef Fuchs und Oldřich Tyl für die Gesellschaft Pražské vzorkové veletrhy errichtet und war zu seiner Zeit das größte Bauwerk seiner Art weltweit.[2] Seit 1976 gehört der Palast der Nationalgalerie Prag, die dort ihre Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst ausstellt.[2][1]
Entstehung
Der Architekturwettbewerb wurde 1924 ausgeschrieben. Er sah ein Handelsviertel nach dem Vorbild von London, Hamburg oder Berlin vor, in dem zwei Messepaläste, ein Verwaltungsgebäude und ein Hotel stehen sollten.[1] Gebaut wurde nur ein Palast.[5] Der symmetrische Entwurf von Oldřich Tyl wurde in der zweiten Runde gemeinsam mit Josef Fuchs zu einer asymmetrischen Form mit waagerechten Fensterbändern und einem Stahlbetonskelett umgearbeitet.[1] Die feierliche Eröffnung zum zehnten Jahrestag der Entstehung der Tschechoslowakei besuchten bis zu 560 000 Menschen.[1]

Bau
Das Gebäude nimmt einen ganzen Straßenblock ein. Es ist 130 m lang und 70 m breit, hat neun oberirdische und zwei unterirdische Geschosse und eine Fassade aus Kunststein.[1] Der Památkový katalog des Národní památkový ústav beschreibt eine Fassade aus quaderförmigen Baukörpern mit unterschiedlicher Oberflächenbehandlung; die Hauptfassade zur Straße Dukelských hrdinů bildet ein viergeschossiges Band mit ununterbrochenen Fensterbändern, das oberhalb des zweiten Geschosses vor die Bauflucht vortritt.[4] Im Inneren befinden sich zwei Hallen. Die große Halle im Süden mit Maßen von etwa 80 × 40 m, in 15 m Höhe von einer Glasdecke abgeschlossen, diente zur Ausstellung von Maschinen.[4] Die kleine Halle im Norden ist etwa 31 m hoch und von sechs Geschossen offener Galerien umgeben.[1] Im Untergeschoss befand sich das Kino Bio Favorit, später das Kino Veletrhy.[1][4]
Messen und Außenhandelsbetriebe
Bis 1941 fanden im Palast 26 internationale Frühjahrs- und Herbstmessen statt. In den Jahren 1934–1938 rangierten die Prager Messen ihrer Bedeutung nach hinter Leipzig und London.[1] Während der Besatzung besetzten deutsche Behörden das Gebäude.[5] Nach dem Krieg fanden die Messen in den Jahren 1946–1951 statt; die letzte, die 52. Messe im Jahr 1951, wurde von einer Ausschmückung im Geist des sozialistischen Realismus begleitet.[1] Danach diente der Palast als Verwaltungssitz von Außenhandelsbetrieben, darunter Kovo, Centrotex und Motokov, und im Erdgeschoss befanden sich Verkaufsstellen von Tuzex.[1]
Brand und Wiederaufbau
Der Brand wurde am frühen Abend des 14. August 1974 gemeldet. Er brach in einer Lackiererwerkstatt im vierten Stock durch Selbstentzündung von Firnis aus und breitete sich über die Passagen und Aufzugsschächte aus.[3][1] Im Einsatz waren 25 Feuerwehreinheiten, und aus dem Kino wurden 600 Menschen evakuiert. Das Ende der Löscharbeiten wurde am 20. August gemeldet.[3][1] Von dem Gebäude blieb nur das Stahlbetonskelett übrig, und der Schaden belief sich auf 220 Millionen.[3] Es gab Stimmen für den Abriss, die Behörden entschieden sich jedoch für den Wiederaufbau.[3] Die Rekonstruktion plante das Liberecer Stavoprojekt (SIAL) unter der Leitung von Karel Hubáček, Hauptarchitekt war Miroslav Masák. Der Wiederaufbau bewahrte die räumliche Anordnung des Gebäudes, die Gliederung der Fassaden und das Verhältnis von verglasten zu geschlossenen Flächen.[1] Die erste Etappe wurde 1993 abgeschlossen, 1995 öffneten sich für die Öffentlichkeit drei Geschosse mit der ständigen Ausstellung, und die gesamte Ausstellungsfläche war im Jahr 2000 fertiggestellt.[3] Die Galerie verfügt im Palast über rund 22 000 m² Ausstellungsfläche.[1]
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Quellen
- Městská část Praha 7 —
- Národní galerie Praha — 12. Juni 2026
- Národní galerie Praha — 12. April 2026
- Národní památkový ústav, Památkový katalog
- Městská část Praha 7