Die Samtene Revolution war eine Reihe antikommunistischer Demonstrationen und politischer Veränderungen in der Tschechoslowakei, die am 17. November 1989 mit dem Einsatz der Sicherheitskräfte gegen eine Studentendemonstration auf der Národní in Prag begann und zum Ende der vierzigjährigen Herrschaft der Kommunistischen Partei führte.

Die Samtene Revolution ist die Bezeichnung für die Ereignisse, die in der Tschechoslowakei mit dem Einsatz der Sicherheitskräfte gegen eine Studentendemonstration am 17. November 1989 auf der Národní in Prag ausgelöst wurden. Nach Angaben des Vojenský historický ústav Praha leitete dieser Einsatz das Ende der vierzigjährigen Herrschaft der Kommunistischen Partei in der damaligen Tschechoslowakei ein, wobei die Demonstration selbst nur eine weitere Folge der bereits schwelenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Zustand des Landes Ende der 1980er Jahre war [1].
Zusammenhang mit dem Jahr 1939
Das Datum des 17. November wurde zur Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1939 gewählt. Damals erließ der nationalsozialistische Protektor Konstantin von Neurath eine Verordnung, mit der die tschechischen Hochschulen für drei Jahre geschlossen wurden. Anlass war eine Reihe studentischer Herbstdemonstrationen gegen die Besatzung, zuletzt bei der Beerdigung des Medizinstudenten Jan Opletal [1]. Opletal wurde bei einer Demonstration am 28. Oktober 1939 anlässlich des Jahrestages der Gründung der unabhängigen Tschechoslowakei angeschossen und starb am 11. November 1939 an den Folgen der Verletzung. Bei derselben Demonstration wurde der Arbeiter Václav Sedláček von den Nationalsozialisten erschossen [1]. Opletals Beerdigung fand am 15. November 1939 auf dem Prager Albertov statt und löste weitere Massenproteste aus. Kurz vor Mitternacht am 16. November besetzten die Nationalsozialisten die Studentenwohnheime, verhafteten Studenten und Lehrende und erschossen in der Kaserne in Ruzyně neun Vertreter der Studentenverbände. In das Konzentrationslager Sachsenhausen wurden anschließend 1 200 Studenten transportiert, über 15 000 Studenten verloren die Möglichkeit zu studieren, und mehr als 1 300 Lehrende standen ohne Arbeit da. Zwei Jahre später, am 17. November 1941, wurde in London der Internationale Studententag ausgerufen [1].
Der Verlauf im Jahr 1989
Die Demonstration am 17. November 1989 begann am Nachmittag auf dem Prager Albertov und sollte gerade an die Ereignisse des Jahres 1939 erinnern. Gegen Abend gelangte der Zug bis auf die Národní, wo die Versammlung von den Sicherheitskräften gewaltsam unterdrückt wurde [1]. Nach Angaben des Vojenský historický ústav Praha aktivierte der brutale Einsatz, begleitet von Meldungen über einen angeblich getöteten Studenten, die tschechische Gesellschaft, und auch ein beachtlicher Teil der Bevölkerung, der den Protesten bis dahin ferngeblieben war, begann sein Missfallen über das Vorgehen der Sicherheitskräfte zu äußern [1]. Den protestierenden Studenten schlossen sich rasch Künstler und Schauspieler Prager und anderer Theater an, die am Wochenende beziehungsweise am Montag in den Streik traten [1]. Am Sonntagabend, dem 19. November 1989, entstand die politische Plattform Bürgerforum [1].
Zentrum des weiteren Geschehens wurde der Wenzelsplatz in Prag, wohin nach und nach Hunderttausende Menschen zu wiederholten Versammlungen kamen. Auf dem Balkon des Verlagsgebäudes Melantrich im mittleren Teil des Platzes traten sowohl Vertreter der Dissidenten als auch Künstler auf, die bis dahin vom kommunistischen Regime geächtet worden waren [1].
Ergebnis
Das Vojenský historický ústav Praha fasst die Ereignisse als Vollendung einer halbhundertjährigen Zeit zusammen, in der die tschechische Nation Unterdrückung sowohl von außen als auch durch eine sich die Macht anmaßende eigene Partei ausgesetzt war, wobei die Zeit der totalitären Regime damit endete [1].
Gedenken
Auf den 17. November fällt ein Staatsfeiertag der Tschechischen Republik, der Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie, der an beide historischen Ereignisse erinnert, an die Proteste des Jahres 1939 wie an das Geschehen des Jahres 1989 [1].
Quellen
- Vojenský historický ústav Praha — 17. November 2021