Region in der Mitte Böhmens, der Prag umgibt; mit 12 Bezirken und 1.477.134 Einwohnern (Stand 31. 12. 2025) die einwohnerreichste Region Tschechiens und als einzige ohne eigene Regionalhauptstadt.

Burg Karlštejn, Photochrom um 1890
Burg Karlštejn, Photochrom um 1890Foto: Photoglob Co. (Verlag), um 1890 · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Středočeský kraj ist eine Region in der Mitte Böhmens. Nach Fläche, Zahl der Gemeinden und Zahl der Einwohner ist er die größte Region der Tschechischen Republik.[1] Als einzige Region hat er keine eigene Regionalhauptstadt; das Regionalamt hat seinen Sitz in der Hauptstadt Prag, die das Gebiet der Region vollständig umschließt.[1]

Lage und Gebiet

Die Region grenzt an fast alle Regionen Tschechiens; Ausnahmen sind der Karlovarský kraj und die mährischen Regionen.[1] Ihre Fläche betrug am 31. Dezember 2024 10.929 km², also fast 14 % des Staatsgebiets, was ungefähr dem Doppelten der durchschnittlichen Fläche einer Region entspricht.[1] Das Gebiet gehört zur Böhmischen Masse. Der Norden und der Osten der Region sind flach, im Süden und Südwesten überwiegen Hügelländer.[1] Der höchste Punkt ist der Gipfel Tok im Brdy-Gebirge (865 m ü. d. M.) im Okres Příbram, am tiefsten liegt das Flussbett der Elbe im Okres Mělník (153 m ü. d. M.).[1] Durch das Gebiet der Region verläuft etwa drei Viertel der Wasserstraße Elbe–Moldau, der einzigen Wasserstraße in Tschechien für den inländischen und den internationalen Verkehr.[1]

Kutná Hora, Blick über einen Weinberg auf das historische Zentrum
Kutná Hora, Blick über einen Weinberg auf das historische ZentrumFoto: Herbert Frank from Wien (Vienna), AT, 2017 · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2025 hatte die Region 1.477.134 Einwohner und war die bevölkerungsreichste Region Tschechiens.[3] Die Einwohnerzahl wächst seit 1997 ununterbrochen, vor allem durch Zuzug in neue Wohnsiedlungen im Umland von Prag.[1] Die einwohnerreichsten Städte waren zu demselben Stichtag Kladno (69.728 Einwohner), Mladá Boleslav (47.874), Kolín (33.392), Příbram (32.917) und Kutná Hora (21.787).[4] Im Jahr 2024 gab es in der Region 1.144 Gemeinden, davon 86 mit Stadtstatus; Kladno und Mladá Boleslav sind Statutarstädte.[1] In den Städten lebten 51,2 % der Einwohner der Region, der niedrigste Anteil im Land.[1]

Bezirke

Die Region besteht aus 12 Bezirken: Okres Benešov, Okres Beroun, Okres Kladno, Okres Kolín, Okres Kutná Hora, Okres Mělník, Okres Mladá Boleslav, Okres Nymburk, Okres Praha-východ, Okres Praha-západ, Okres Příbram und Okres Rakovník.[2] Der Okres Příbram ist der flächenmäßig größte, der Okres Praha-západ der kleinste; die meisten Einwohner leben im Okres Praha-východ, die wenigsten im Okres Rakovník.[2] Seit dem 1. Januar 2003, als die Bezirksämter aufgehoben wurden, gliedert sich die Region außerdem in 26 Verwaltungsbezirke der Gemeinden mit erweiterter Zuständigkeit.[1]

Entstehung und Name

Die Region entstand am 1. Januar 2000 auf der Grundlage des Verfassungsgesetzes Nr. 347/1997 Slg., das 14 höhere territoriale Selbstverwaltungseinheiten schuf.[5] Die Sitze der neuen Regionen stimmen mit den Sitzen der Regionen der Jahre 1949–1960 überein, und die Namen der Regionen wurden von diesen Sitzen abgeleitet; die einzige Ausnahme ist der Středočeský kraj.[5] In der europäischen statistischen Klassifikation bildet die Region allein die Kohäsionsregion Mittelböhmen auf der Ebene NUTS 2.[6] Zum 1. Januar 2016 entstand auf dem Gebiet des aufgelösten Truppenübungsplatzes Brdy das Landschaftsschutzgebiet Brdy. Das Gebiet des Truppenübungsplatzes wurde zwischen Gemeinden des Středočeský kraj und des Plzeňský kraj aufgeteilt, und die Fläche des Středočeský kraj verringerte sich gegenüber Ende 2015 um 87,9 km².[1]

Wirtschaft und Verkehr

Die wichtigsten Industriezweige sind Maschinenbau, Chemie und Lebensmittelindustrie; ein Unternehmen von landesweiter Bedeutung ist Škoda Auto in Mladá Boleslav.[1] Die Landwirtschaft profitiert von den fruchtbaren Gebieten im Nordosten der Region, wo vor allem Weizen, Gerste und Zuckerrüben angebaut werden.[1] Die wichtigsten Eisenbahn- und Straßenstrecken laufen strahlenförmig auf Prag zu.[1] Die Dálnice 4 verbindet Prag über Příbram mit Südböhmen; der Abschnitt zwischen Příbram und Písek, auf dem 32 km neue Autobahn entstanden, wurde am 17. Dezember 2024 in Betrieb genommen.[7]

Denkmäler und Natur

Kutná Hora mit der Sankt-Barbara-Kathedrale und der Kathedrale in Sedlec steht auf der UNESCO-Welterbeliste; zusammen mit Prag ist auch Schloss und Park Průhonice auf der Liste verzeichnet.[1] Zu den bekannten Burgen zählen Karlštejn, Točník, Křivoklát, Český Šternberk und Kokořín, zu den Schlössern Konopiště, Žleby, Kačina und Nelahozeves.[1] Nach Stará Boleslav, wo der heilige Wenzel ermordet wurde, kamen im September 2026 Tausende Pilger zur Nationalen Wenzelswallfahrt.[8] Das Landschaftsschutzgebiet Křivoklátsko zählt zu den Biosphärenreservaten; weitere Landschaftsschutzgebiete sind Český kras, Český ráj, Blaník, Kokořínsko und Brdy.[1]

Seiten, die hierher verweisen

Chronologie

  • — Die Regionalräte, die die Befugnisse der Hauptversammlung ausüben, beriefen Petr Honěk aus dem Vorstand des Oblastní nemocnice Příbram ab; er schied mit sofortiger Wirkung aus dem Amt. Die Polizei überprüft ihn im Zusammenhang mit einem Einsatz bei der Všeobecná zdravotní pojišťovna; angeklagt wurde er bisher nicht. → ČTK / České noviny iROZHLAS
  • — Auf den Vorortlinien im Umland von Prag fehlten am Morgen des 5. Oktober 2026 23 Zugeinheiten des Typs CityElefant, und der Středočeský kraj erklärte, er sei bereit, gegenüber České dráhy Vertragsstrafen geltend zu machen. → ČTK / České noviny E15
  • — Die regionale Dürrekommission rief an der Moldau und der Elbe in Mittelböhmen den Zustand des Wassermangels aus und erlaubte, den Mindestabfluss aus der Moldaukaskade an der Anlage Vrané bis zum 30. April 2027 von 35 auf 20 Kubikmeter pro Sekunde zu senken. → ČTK / České noviny Novinky.cz
  • — Die Klinika Dr. Pírka in Mladá Boleslav eröffnete einen neuen Pavillon, der die Kapazitäten für Rehabilitation und Chirurgie erweitern soll. → Novinky.cz Boleslavský deník
  • — Škoda Auto streicht wegen Problemen bei der Teilelieferung einen Teil der Schichten, die nach Angaben der Gewerkschaften auch die Produktion des Modells Kodiaq in Kvasiny betrafen. → ČTK / České noviny Hospodářské noviny

Quellen

  1. Český statistický úřad, Krajská správa pro Středočeský kraj
  2. Český statistický úřad, Krajská správa pro Středočeský kraj
  3. Český statistický úřad
  4. Český statistický úřad
  5. Český statistický úřad (Statistika&My)
  6. Český statistický úřad
  7. Vláda České republiky — 17. Dezember 2024
  8. ČT24 — 28. September 2026