Das Rudolfinum ist ein Mehrzweckgebäude in Prag am rechten Ufer der Moldau, gegenüber der Prager Burg. Als Künstlerhaus ließ es die Böhmische Sparkasse (Česká spořitelna) errichten, und nach der Website der Tschechischen Philharmonie handelte es sich um einen Bau mit einem Konzept, das zur Zeit seiner Entstehung ohne Vorbild war.[1]
Entstehung der Idee
Die 1825 als ältestes Geldinstitut des Königreichs Böhmen gegründete Böhmische Sparkasse beschloss, ihr 50-jähriges Bestehen mit einer Spende von 400 000 Gulden für einen wohltätigen Zweck zu feiern. Der Direktor der Anstalt, Wenzel Ritter von Worowka, überzeugte die Leitung, das Geld für bildende Kunst und Musik einzusetzen, weil das Projekt alle Kunden unabhängig von Nationalität oder gesellschaftlicher Stellung betreffen sollte. Den Bau des Künstlerhauses genehmigte die Generalversammlung der Sparkasse am 19. November 1872.[1]
Name des Gebäudes
Die Sparkasse beschloss bereits 1873, dem Gebäude den Namen des Thronfolgers, Kronprinz Rudolf, zu geben. Der Bau sollte die Treue zur Habsburgerfamilie und zur Monarchie ausdrücken, und der junge Erzherzog war damals sehr beliebt. Bei der Wahl des Namens dachte man auch an Kaiser Rudolf II., einen Freund der Kunst. Denselben Namen erhielten auch das benachbarte Ufer und der nahe gelegene Kettensteg.[1]
Bauplatz
Das Grundstück liegt an einer Stelle namens „rejdiště“, die damals ein Randbereich der Stadt mit niedriger Bebauung aus Häusern, Einfriedungen und Bauten zur Holzlagerung und für andere wirtschaftliche Zwecke war. Die Umgestaltung des Ortes setzte in den Jahren 1868–1869 der Bau des Kettenstegs in Gang. Es folgten Ankäufe und der Abriss alter Häuser am Ufer, danach wurde ab Juni 1876 das Rudolfinum gebaut. Das Ufer wurde 1878 ausgebaut, die Kunstgewerbeschule entstand 1882 und das Kunstgewerbemuseum Prag 1897. Das Gebäude der Filozofická fakulta Univerzity Karlovy aus den 1920er Jahren vollendete dann die Gestalt dieser Insel der Kunst und Bildung.[1]
Architekten und Bau
Die Sparkasse schrieb einen Architekturwettbewerb aus und erhielt im Juni 1874 acht Entwürfe, darunter ein gemeinsames Projekt von Josef Zítek und Josef Schulz. Die aus Fachleuten bestehende Jury wählte keinen Sieger aus, doch Wenzel Ritter von Worowka entschied aus eigenem Ermessen, den Entwurf der tschechischen Architekten ausführen zu lassen, dessen Überarbeitung er für am einfachsten hielt. Zítek und Schulz bereisten auf eigene Kosten England, Belgien, Frankreich und Deutschland, wo sie Konzertsäle und Galerien besichtigten und sich mit Fachleuten berieten. In Bayreuth trafen sie Richard Wagner und besprachen mit ihm die Akustik von Konzertsälen. Die überarbeiteten Pläne reichten sie im April 1875 ein, das Ausführungsprojekt im Mai 1876.[1]
Mit den Gründungsarbeiten wurde im Juni 1876 begonnen. Die Fundamente mussten tiefer als geplant gelegt werden, bis in neun Meter Tiefe, also zwei Meter unter den Wasserspiegel der Moldau, weshalb sich die Erdarbeiten bis 1878 hinzogen. Den Bau führte der Baumeister Jan Bělský aus.[1]
Seiten, die hierher verweisen
- Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Hamas-Angriffe auf dem Náměstí Jana Palacha
- Historisches Zentrum von Prag
- Kunstgewerbemuseum Prag
- Umbenennung Prager Straßen und Plätze