Bild aus Česká televize (ČT edu)
Bild aus Česká televize (ČT edu)

Das Münchner Abkommen ist ein internationales Abkommen, das um den Wechsel vom 29. zum 30. September 1938 in München unterzeichnet wurde. Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich vereinbarten darin, dass das tschechoslowakische Grenzgebiet an das nationalsozialistische Deutschland fallen sollte. Die Tschechoslowakei war bei den Verhandlungen nicht anwesend.[1]

Vorgeschichte: Konflikte in der Tschechoslowakei

Ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2022, aus dem Česká televize einen Ausschnitt veröffentlicht hat, verfolgt die Entwicklung der sudetendeutschen Bewegung und der tschechisch-deutschen Beziehungen von den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bis in die Zeit des Protektorats. Hervorgehoben wird die Rolle der Sudetendeutschen Partei Henleins, die laut dem Ausschnitt als antisystemische Kraft wesentlich zum Zerfall des demokratischen Systems der Ersten Republik beitrug.[2]

Folgen für den Staat

Die Tschechoslowakei verlor ausgedehnte Gebiete samt Bevölkerung sowie die Grenzbefestigungen, was den Staat erheblich schwächte. Nach einigen Monaten, im März 1939, besetzte das nationalsozialistische Deutschland die böhmischen Länder.[1]

Der Direktor des Ústav pro studium totalitních režimů, Ladislav Kudrna, erklärte zur Bedeutung des Ereignisses, es lasse sich weder auf die bloße Unterschrift noch auf den Verlust der Grenzgebiete verkürzen. Nach seinen Worten verhandelten die Mächte über das Gebiet und die Sicherheit der Tschechoslowakei ohne deren Beteiligung und unter starkem Druck, wobei die Folgen politisch, militärisch und gesellschaftlich waren. Mit dem Grenzgebiet selbst habe das Land auch die Befestigungen und einen großen Teil seines wirtschaftlichen Potenzials verloren, und München habe die Bedingungen grundlegend verändert, unter denen der Staat dem wachsenden Druck des nationalsozialistischen Deutschlands zu begegnen versuchte.[1]

Reaktion der Gesellschaft

Die tschechische Gesellschaft nahm das Abkommen als Schock auf. Laut dem Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm führte es zu einem übersteigerten tschechischen Nationalismus, und im öffentlichen Raum häuften sich Forderungen, die tschechische Sprache und Kultur von fremden Elementen zu befreien.[2]

Gedenken

Das Ústav pro studium totalitních režimů befasst sich seit Langem mit dem nationalsozialistischen Deutschland, der Tschechoslowakei der Vorkriegszeit und dem weiteren Kontext der europäischen Diktaturen. Im Jahr 2023 veranstaltete es im Prager Kino 3Kino den Vortrag „München 1938“. Es sprachen der Historiker Eduard Stehlík, der Direktor Ladislav Kudrna und Kamil Nedvědický, der erste stellvertretende Direktor. Die Debatte berührte unter anderem, wie die nationalsozialistische und die kommunistische Diktatur funktionierten und wie sie auf die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts wirkten.[1] Zum 88. Jahrestag des Abkommens erinnerte das Institut in einer Mitteilung auch an die Aussage des Direktors, wonach München, der Februar 1948 und der August 1968 „Pestschläge“ gewesen seien, die dem Volk das Rückgrat gebrochen hätten.[1]

Quellen

  1. Ústav pro studium totalitních režimů
  2. Česká televize (ČT edu)