Das Kunstgewerbemuseum Prag ist eine auf Kunsthandwerk, angewandte Kunst und Design ausgerichtete Institution, die in einem eigenen Gebäude am Rand von Josefov (Prag) ihren Sitz hat.

Das Kunstgewerbemuseum Prag sammelt, bearbeitet und bewahrt Gegenstände des Kunsthandwerks, der angewandten Kunst und des Designs. Nach eigener Darstellung strebt das Museum danach, ein Ort der Bildung zu werden, der angewandte Kunst mit Architektur und bildenden Disziplinen verbindet [1].
Entstehung und Anfänge
Die Gründung des Museums bereitete die Handels- und Gewerbekammer vor, die 1875 im Gebäude des heutigen Platýz an der Národní eine ständige Ausstellung handwerklicher Erzeugnisse eröffnete [1]. Der Anstoß zu solchen Sammlungen hing mit der Sorge vor einem Niedergang der Handarbeit in der Zeit der aufkommenden maschinellen Großproduktion zusammen [1]. Die Česká spořitelna stellte der Kammer Ausstellungsräume im neu eröffneten Rudolfinum zur Verfügung, womit sich das Museum im Februar 1885 faktisch konstituierte und mit der ersten regulären Ausstellung den Betrieb aufnahm [1]. 1886 wurde die erste ständige Ausstellung eröffnet, ein Jahr später eine Bibliothek mit Lesesaal [1].
Das Gebäude
Der Rohbau des eigenen Museumsgebäudes entstand in den Jahren 1897 und 1898 nach einem Entwurf des Architekten Josef Schulz im Stil der Neorenaissance mit französischen Vorbildern [1]. Das Baugrundstück befand sich zwischen dem alten jüdischen Friedhof und der Sanytrova-Straße am Rand von Josefov (Prag), die Bauarbeiten führte die Firma Schlaffer und Hübschamnn aus [1]. An der Gestaltung der Innenräume wurde bis 1900 gearbeitet, als das erste Geschoss mit den Sammlungen und die öffentliche Bibliothek eröffnet wurden [1]. Die Hauptfassade des Gebäudes schmücken Reliefs mit Handwerkszeichen von Antonín Popp und Bohuslav Schnirch; im ersten Stock sind Handwerke wie Korbflechterei, Goldschmiedekunst, Schlosserei, Spitzenklöppelei, Weberei, Zinngießerei, Plattnerei und Glockengießerei dargestellt, im zweiten Stock Kartuschen mit Wappen von Städten, die mit dem Kunsthandwerk verbunden sind [1]. Die Ausstattung der Innenräume entwarf Josef Schulz [1].
Mäzene und Sammlungen
Zu den Mäzenen des Museums gehörten der Präsident der Handels- und Gewerbekammer Bohumil Bondy, der frühere Vorsitzende des Kuratoriums Václav Němec und der kaiserliche Rat Josef Wohanka [1]. Der Sammler Vojtěch Lanna schenkte dem Museum die Hälfte seiner Glassammlung, wodurch das Museum heute über eine Entwicklungsreihe von Glasobjekten von der Antike bis zur Gegenwart verfügt; nach Angaben des Museums handelt es sich um eine der größten Glassammlungen der Welt [1].
Direktoren
Erster Kustos und Direktor des Museums war der Kunsthistoriker Karel Chytil, der auch an der Kommission für die Inventarisierung der Denkmäler Prags und an den Anfängen der Denkmalpflege in Böhmen mitwirkte [1]. Nach ihm leitete das Museum kurz der Kunsthistoriker und Buchkulturforscher František Adolf Borovský, es folgten František Xaver Jiřík und Karel Herain, der sich für die Förderung des tschechoslowakischen Designs und der angewandten Kunst einsetzte [1].
Das zwanzigste Jahrhundert und die heutige Stellung
Während der deutschen Besatzung beschlagnahmte die Flugzeugfirma Junkers das Gebäude, und die Sammlungen des Museums wurden an verschiedenen Orten auf dem Land und im Nationalmuseum untergebracht [1]. 1949 wurde das Museum verstaatlicht [1]. In den Jahren 1959 bis 1969 war es mit der Nationalgalerie Prag verbunden, seit 1970 arbeitet es wieder als selbstständige, vom Kulturministerium getragene Institution [1].