Žďár nad Sázavou ist eine Bezirksstadt an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren in der Böhmisch-Mährischen Höhe, die bei einem 1252 gegründeten Zisterzienserkloster entstand.

Žďár nad Sázavou, 2018
Žďár nad Sázavou, 2018Foto: Herbert Frank from Wien (Vienna), AT, 2018 · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Žďár nad Sázavou ist eine Bezirksstadt an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren in der Landschaft der Böhmisch-Mährischen Höhe, mitten im Landschaftsschutzgebiet Žďárské vrchy.[1] Ihre Geschichte ist mit dem Zisterzienserkloster verbunden und reicht bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück.[1]

Grunddaten

Die Stadt gliedert sich in die Stadtteile Žďár nad Sázavou 1 bis 8, Mělkovice, Radonín, Stržanov und Veselíčko. Die Katastralgemeinden tragen die Namen Město Žďár, Zámek Žďár, Stržanov und Veselíčko u Žďáru nad Sázavou. Die Gesamtfläche beträgt 3 706 ha. Nach Angaben der Stadt lebten in Žďár nad Sázavou am 24. Januar 2023 insgesamt 19 962 Einwohner, und das Durchschnittsalter wurde für das Jahr 2020 mit 44,5 Jahren angegeben.[1]

Entstehung und Mittelalter

Die Siedlung Žďár entstand beim Zisterzienserkloster, das 1252 Boček z Obřan gründete. Sie bestand kurz an einer Stelle, die heute Na starém městě genannt wird, und wurde dann an das linke Ufer der Sázava verlegt, also an den Ort des heutigen historischen Stadtkerns.[1] Als Marktflecken wird Žďár erstmals in einer Urkunde von 1293 genannt. Die Urbare von 1407 verzeichnen im Marktflecken 93 Anwesen, 1462 waren es 97 und 1483 bereits 104.[1]

Erhebung zur Stadt und Neuzeit

Im Jahr 1588 ging das Kloster in die Zuständigkeit des Bistums Olmütz über. Das Kloster erkannte den neuen Zustand nicht an, was zu einem langen Streit führte, in dem der Marktflecken auf der Seite des Klosters stand. Den Streit beendete Kardinal František z Ditrichštejna, der das Kloster 1606 aufhob und sich 1607 diplomatisch mit dem Marktflecken einigte. Damals erhob er den Marktflecken zur Stadt und verlieh ihm neue Privilegien und ein neues Wappen. Die ehemalige Klosterherrschaft wurde später zum Privatbesitz des Kardinals.[1]

Im Jahr 1638 kaufte der Zisterzienserorden die Herrschaft Žďár aus dem Nachlass von Kardinal Ditrichštejn, und die Zisterzienser kehrten nach Žďár zurück. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges, 1642, griffen die Schweden das Kloster an, bewaffnete Bürger verteidigten es jedoch. Im Jahr 1647 plünderten die Schweden die Stadt.[1] Kaiser Leopold I. bestätigte der Stadt 1704 ihre Vorrechte und vermehrte ihr Wappen. Zum Wappen von 1607 kamen das Abtswappen und das Wappen des Klosters Žďár hinzu. Die Stadt führt dieses erweiterte Wappen bis heute.[1]

Nach der Aufhebung des Klosters durch Kaiser Josef II. ging die Klosterherrschaft in die Verwaltung des Mährischen Religionsfonds über. Nach dessen Verkauf wechselten sich mehrere Besitzer im Besitz der Herrschaft ab.[1]

Santini-Bauten und Weltkulturerbe

Das ehemalige Kloster erhielt seine heutige Gestalt bei umfangreichen Umbauten unter Abt Václav Vejmluva in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Umbauten entwarf der Architekt Jan Blažej Santini Aichel.[1] Die Wallfahrtskirche des hl. Johannes von Nepomuk auf der Zelená hora gilt laut der Stadt als Höhepunkt seines Schaffens. Im Dezember 1994 wurde sie in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen.[1]

19. und 20. Jahrhundert

Nach der neuen politischen Organisation nach 1848 wurde Žďár 1850 Sitz eines Gerichtsbezirks, während der politische Bezirk seinen Sitz in Nové Město na Moravě hatte.[1] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entfaltete sich in der Stadt das nationale Leben, und es entstanden zahlreiche Kulturvereine. In den Jahren 1884 bis 1901 wirkte hier Jan Doležal (1847 bis 1901), der erste tschechische forstliche Fachschriftsteller und Redakteur. Für die Žďárer Kulturvereine baute die Stadt das Národní dům, das heutige Městské divadlo, das 1901 eröffnet wurde.[1]

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden die ersten größeren Betriebe, vor allem Schuhfabriken. Die Eisenbahn wurde gebaut, und es entstanden weitere Industriebetriebe.[1] Mit dem Bau der Žďárské strojírny a slévárny stieg die Einwohnerzahl in den 1950er Jahren sprunghaft an. Der Charakter der Stadt und der Landschaft veränderte sich: Ein umfangreicher Umbau der Stadt begann, es entstanden ein Verwaltungs- und Handelszentrum und am Stadtrand neue Wohnsiedlungen.[1]

Quellen

  1. Město Žďár nad Sázavou