Věra Čáslavská war eine tschechische Turnerin, Olympiasiegerin und später Funktionärin der olympischen Bewegung.

Věra Čáslavská auf einer Aufnahme von 2023
Věra Čáslavská auf einer Aufnahme von 2023Foto: Mojmir Churavy, 2023 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Věra Čáslavská, genannt Goldene Věra, war eine tschechische Turnerin. Das Tschechische Olympische Komitee zählt sie zusammen mit Emil Zátopek wegen ihrer Ergebnisse wie auch wegen ihrer bürgerlichen Haltung zu den größten Legenden des heimischen Sports. Sie starb im August 2016 im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit.[1]

Sportliche Laufbahn

Schon als Kind zeigte sie Bewegungstalent, zunächst im Ballett und im Eiskunstlauf, ab dem Alter von 14 Jahren im Turnen, das sie unter der Anleitung von Eva Bosáková begann. 1958 startete sie als jüngste Teilnehmerin bei der Weltmeisterschaft in Moskau, ein Jahr später siegte sie am Schwebebalken bei der Europameisterschaft in Krakau, und bei der Weltmeisterschaft 1962 in Prag stieß sie in die Weltspitze vor.[1]

In ihrer Laufbahn gewann sie nach Angaben des Olympischen Komitees rund 140 Medaillen, sie wurde viermal Weltmeisterin und elfmal Europameisterin. Bei den Olympischen Spielen errang sie sieben Gold- und vier Silbermedaillen.[1]

Olympische Spiele

Bei den Spielen in Rom 1960 gewann sie Silber im Mannschaftswettbewerb, auch wegen gesundheitlicher Probleme. In Tokio 1964 siegte sie im Mehrkampf, am Sprung und am Schwebebalken und fügte mit der Mannschaft Silber hinzu. Am Stufenbarren verhinderte ihr laut dem Text ein Sturz den Sieg, die gesamte Übung zeigte sie jedoch noch einmal und ohne Fehler.[1]

Bei den Spielen in Mexiko 1968, die knapp zwei Monate nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die sowjetische Armee stattfanden, verteidigte sie den Titel im Mehrkampf und siegte am Stufenbarren, am Sprung und am Boden. Silber gewann sie am Schwebebalken und mit der Mannschaft. Ende 1968 wurde sie zur besten Sportlerin der Welt gewählt.[1] Ihre Wettkampflaufbahn beendete sie nach diesen Spielen.[1]

Nach 1968

Als eines der Symbole des Prager Frühlings wurde sie nach der Rückkehr aus Mexiko von der Staatssicherheit verhört. Als sie sich weigerte, ihre Unterschrift unter dem Manifest „Zweitausend Worte“ zu widerrufen, fiel sie in Ungnade und fand keine Arbeit. Ende der 1970er Jahre erhielt sie die Erlaubnis, mit ihrer Familie nach Mexiko auszureisen, wo sie sich zwei Jahre lang örtlichen Talenten widmete.[1]

Nach dem November 1989 war sie Beraterin und Assistentin von Präsident Václav Havel, von 1990 bis 1996 Vorsitzende des Tschechoslowakischen und später Tschechischen Olympischen Komitees und von 1995 bis 2001 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.[1]

Auszeichnungen

Als viermalige Sportlerin des Jahres in der Tschechoslowakei erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Das Internationale Fair-Play-Komitee bei der UNESCO verlieh ihr 1989 den Pierre-de-Coubertin-Preis, und 1991 erhielt sie den Olympischen Orden des IOC. Sie ist außerdem Trägerin der staatlichen Verdienstmedaille von 1995 und des japanischen Ordens der Aufgehenden Sonne von 2010.[1]

Quellen

  1. Český olympijský výbor