Das Bezirksgericht für Prag 4 verkündete am 7. Oktober 2026 das Urteil im Fall der Erpressung der Herzchirurgen Jan Pirk und Ivan Netuka vom Institut für Klinische und Experimentelle Medizin (IKEM) in Prag. Dem ehemaligen stellvertretenden Direktor des IKEM, Jiří Malý, wurde eine Geldstrafe von 50.000 Kronen auferlegt, dem früheren Leiter der IT-Abteilung, Petr Raška, eine Geldstrafe von 80.000 Kronen. Beide Männer sollen laut Urteil Pirk und Netuka zudem Schadenersatz für immateriellen Schaden in Höhe von jeweils 20.000 Kronen pro Geschädigtem zahlen [3]. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Malý und Raška bestreiten ihre Schuld von Anfang an [1][2].

Hintergrund des Falls

Laut Anklage drohten Malý und Raška Pirk und Netuka in den Jahren 2021 bis 2023 mit belastendem Material, um sie dazu zu bringen, ihre Positionen in der Krankenhausleitung nicht mehr zu gefährden [3]. Die Angeklagten sollen ihnen unter anderem gedroht haben, dass sie Dossiers über sie besäßen und sie politisch vernichten würden [3]. Raška soll laut Anklage zudem vom Diensttelefon Pirks eine SMS von Netuka fotografiert haben, in der sich der Arzt abfällig über den damaligen Gesundheitsminister Vlastimil Válek (TOP 09) geäußert hatte, und Malý habe diese Nachricht von einer anonymen Nummer aus an den Minister geschickt, um Pirk und Netuka in dessen Augen zu diskreditieren [1].

Zusammen mit Malý und Raška war ursprünglich auch der damalige Direktor des IKEM, Michal Stiborek, angeklagt, der im August 2025 verstarb; das Gericht stellte sein Strafverfahren ein [1][2]. Nach Angaben der Ermittler nutzte Stiborek zur Erpressung Pirks gefälschte Dokumente, denen zufolge der Herzchirurg heimlich an einer Firma beteiligt gewesen sein soll, die 2012 im IKEM einen Auftrag im Wert von einer Milliarde Kronen erhielt [3]. Netuka sollen laut Anklage sowohl Stiborek als auch Malý mit belastenden Dokumenten gedroht haben, wobei Stiborek bei einem Treffen erklärte, er kenne Leute, die „körperlich arbeiten“, was das Gericht als Gewaltandrohung wertete [3].

Verhandlung und Verteidigung

Malý bestritt vor Gericht, Pirk und Netuka erpresst zu haben, und beschrieb das Treffen mit Stiborek als Verhandlung über die Lösung eines Problems mit abgelaufenen Kunstherzen im Wert von 16 Millionen Kronen [3]. Den Fall bezeichnete er als Ergebnis von Netukas Bestreben, die Krankenhausleitung zu kontrollieren und Aufträge zu beeinflussen [3]. Den Fall untersuchte zugleich die Generalinspektion der Sicherheitskräfte wegen des Verdachts auf Beteiligung eines Angehörigen der Policie České republiky, was sich jedoch nicht bestätigte [2].

Urteil

Richterin Jana Petráková erklärte bei der Urteilsverkündung, „die Situation im IKEM sei langfristig zugespitzt gewesen“ und der Streit „habe die vermeintlichen Grenzen des IKEM-Umfelds überschritten“ [2][3]. Nach Ansicht der Richterin war es nicht angebracht, Bewährungsstrafen zu verhängen, da seit dem Handeln der Angeklagten längere Zeit vergangen sei und es sich um eine Abweichung von einer ansonsten ordentlichen Lebensführung gehandelt habe [2]. Das Verhalten der Angeklagten habe den Geschädigten laut Gericht einen unangenehmen Zustand beschert, der geeignet war, sie in ihrer Arbeit und im Privatleben zu gefährden, weshalb ihnen das Gericht Schadenersatz für immateriellen Schaden zusprach [2]. Zur Glaubwürdigkeit von Pirks Aussage erklärte die Richterin, sie habe „keinerlei Zweifel“ daran [3].

Chronologie

  • — Das Bezirksgericht für Prag 4 verurteilte den ehemaligen stellvertretenden Direktor des IKEM Jiří Malý zu einer Geldstrafe von 50.000 Kronen und den ehemaligen Leiter der IT-Abteilung Petr Raška zu 80.000 Kronen wegen Erpressung der Herzchirurgen Jan Pirk und Ivan Netuka, das Urteil ist nicht rechtskräftig. ČTK / České noviny iROZHLAS

Quellen

  1. ČTK / České noviny — 7. Oktober 2026
  2. ČT24 — 7. Oktober 2026
  3. Seznam Zprávy — 7. Oktober 2026