Das CHKO Moravský kras ist das ausgedehnteste Karstgebiet Tschechiens nördlich von Brünn, 1956 als erstes Landschaftsschutzgebiet in Mähren ausgewiesen. Es hat 96,8 km² und mehr als 1100 erfasste Höhlen.

CHKO Moravský kras, 2007
CHKO Moravský kras, 2007Foto: Prazak, 2007 · CC BY 2.5 · Wikimedia Commons

Das Landschaftsschutzgebiet CHKO Moravský kras liegt auf einem Kalksteinstreifen nördlich von Brünn im Jihomoravský kraj. Es ist das ausgedehnteste Karstgebiet Tschechiens. Es besteht aus Hochflächen, die mit kreisförmigen Senken, sogenannten Dolinen, übersät sind und durch tiefe Canyons voneinander getrennt werden.[2] Die Höhenlage des Gebiets beträgt 216 bis 546 m.[1]

Ausweisung und Schutz

Das Landschaftsschutzgebiet wurde am 28. August 1956 ausgewiesen, als erstes in Mähren. Zu einer Neuausweisung mit Änderung der Grenzen und der Zonierung kam es am 18. März 2019 mit Wirkung vom 1. April 2019. Die Fläche wuchs leicht, von 92 auf 96,8 km², und einige naturkundlich weniger wertvolle Gebiete wurden herausgenommen und durch andere ersetzt. Die Zonierung änderte sich dank der Fortschritte bei der Kartierung der Höhlen.[1] Aufgabe des CHKO ist es, die Landschaft und das Naturerbe für künftige Generationen möglichst gut erhalten zu bewahren.[1]

Im Gebiet liegen 19 kleinflächige besonders geschützte Gebiete, und zwar 12 Naturreservate, dazu 4 nationale Naturreservate, daneben 2 nationale Naturdenkmäler und 1 Naturdenkmal. Dazu gehört auch ein Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung des Natura-2000-Systems.[1] Die Verwaltung des Gebiets führt die Správa CHKO Moravský kras bei der Agentura ochrany přírody a krajiny ČR.[1]

Geologie und Höhlen

Die Grundlage bildet Kalkstein, der sich vor knapp vierhundert Millionen Jahren aus kalkhaltigen Schalen von Meeresorganismen und kalkhaltigem Schlamm ablagerte. Das Gestein ist in Wasser löslich, und deshalb entstanden Dolinen, Felstürme, canyonartige Täler, genannt Žleby, und Labyrinthe von Höhlen.[1] Das Wasser aus dem Drahaner Bergland verschwindet an der Grenze der Kalksteine in Schluckstellen und kehrt nach einigen Kilometern in Quellen an die Oberfläche zurück.[1][2]

Am ausgedehntesten ist das Höhlensystem Amatérská jeskyně, wo über 50 Kilometer Gänge kartiert wurden. Die Amatérská jeskyně selbst misst etwa 30 km und ist die längste bekannte Höhle Tschechiens. Das System Rudické propadání – Býčí skála hat eine Länge von 13 Kilometern, und die längste Höhle im Süden des Karstes ist die Ochozská mit knapp zwei Kilometern. Erfasst sind mehr als 1100 Höhlen.[2]

Natur

Auf Kalkstein entstehen nährstoffreiche Böden mit artenreichen Pflanzengemeinschaften. Das Gebiet liegt biogeografisch an der Berührung der pannonischen und der kontinentalen Region. Aus dem Westen reichen Elemente der Böhmischen Masse hinein, von Süden wärmeliebende pannonische Elemente und von Osten Arten der Karpatenwälder.[1] Von den Höhlenbewohnern wurden hier 26 Fledermausarten von 27 in Tschechien belegten gefunden. Cortusa matthioli wächst in Tschechien an einem einzigen Ort, im Abgrund Macocha.[2]

Spuren früherer Zeiten

In den Kalksteinen sind Reste von Organismen enthalten, zum Beispiel von Korallen und Ammoniten. In die Höhlen gelangten auch Knochen aus den Eiszeiten, und zwar von Mammuts, Höhlenlöwen und Bären.[1] Die Höhlen nutzten auch Menschen als Heim oder Zuflucht. Als einzigartig bezeichnet die Verwaltung den Fund eines hunderttausend Jahre alten Neandertalerkiefers aus der Höhle Kůlna sowie Gravuren von Pferden und Bisons, die auf Pferderippen aus der Pekárna gefunden wurden.[1]

Besucherzahlen

Das Gebiet lockt jährlich Hunderttausende Besucher an.[1] Das Dům přírody Moravského krasu ist ein Besucherzentrum am Skalní mlýn. Von dort geht man zur Punkevní jeskyně und zum Abgrund Macocha.[2]

Quellen

  1. Agentura ochrany přírody a krajiny ČR (Správa CHKO Moravský kras)
  2. Agentura ochrany přírody a krajiny ČR (Správa CHKO Moravský kras)