Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří umfasst 22 Bestandteile, von denen 17 auf sächsischem Gebiet und 5 im tschechischen Teil des Erzgebirges liegen. Zu den tschechischen Stätten gehören Hornická krajina Jáchymov, Hornická krajina Abertamy – Boží Dar – Horní Blatná, Rudá věž smrti, Hornická krajina Krupka und Hornická krajina Mědník. Die einzelnen Stätten belegen gemeinsam den Einfluss, den Abbau und Verarbeitung der Erze auf beiden Seiten des Gebirges auf die Entwicklung des Bergbaus und des Hüttenwesens in Europa und in der Welt hatten [1].

Eintragung in die UNESCO-Liste

In die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt der UNESCO wurde die Region im Jahr 2019 eingetragen, und zwar als gemeinsames Erbe der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland [2]. Das Welterbekomitee bestätigte am 6. Juli 2019, dass die Stätte drei Kriterien erfüllt, die in den Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt festgelegt sind, konkret die Kriterien ii), iii) und iv) [2].

Nach Kriterium ii) belegt die Region die Rolle des Erzgebirges als Zentrum technologischer und wissenschaftlicher Innovationen von der Renaissance bis zur Neuzeit, die in weitere Bergbaugebiete der Welt übertragen wurden, insbesondere durch das System der Bergbauausbildung und das Wirken erzgebirgischer Bergleute im Ausland [2]. Kriterium iii) bezieht sich auf den Einfluss des Bergbaus auf das gesellschaftliche Leben der Region, einschließlich der seit Beginn des 16. Jahrhunderts entwickelten hierarchischen Organisation der Bergverwaltung, die das Wirtschafts- und Rechtssystem des Bergbaus in ganz Kontinentaleuropa beeinflusste [2]. Kriterium iv) erkennt die Region als zusammenhängende Bergbaulandschaft an, deren Wirtschaft vom 12. bis zum 20. Jahrhundert vom Bergbau geprägt wurde, mit erhaltenen Grubenbauten, technologischen Anlagen und Wasserwirtschaftssystemen über und unter Tage [2].

Geschichte des Bergbaus

Abbau und Verarbeitung von Erzen verliefen im Erzgebirge mehr als 800 Jahre lang, vom 12. bis zum 20. Jahrhundert, nahezu ununterbrochen und waren während dieser Zeit der dominierende Wirtschaftszweig der Region [2]. Abgebaut wurden vor allem Silber-, Zinn-, Kobalt- und Eisenerze, in jüngerer Zeit auch Uran [1][2]. Diese lange Bergbaugeschichte schuf nach der Beschreibung eine Bergbaulandschaft mit Montandenkmälern über und unter Tage und mit einem dichten Netz von Bergstädten, für die es laut Quelle weltweit nichts Vergleichbares gibt [1].

Hornická krajina Jáchymov

Unter den tschechischen Stätten wird die Hornická krajina Jáchymov gesondert beschrieben. Die Stadt Jáchymov wurde im Jahr 1516 gegründet und wurde kurz danach zu einem Gebiet des Silberbergbaus im Erzgebirge, in Europa und in der Welt [1]. Der Stadtarzt von Jáchymov Georgius Agricola legte hier im 16. Jahrhundert die Grundlagen der Wissenschaften vom Bergbau, von der Metallurgie, der Mineralogie und der Lagerstättengeologie; sein Werk „De re metallica libri XII“ aus dem Jahr 1556 diente mehr als 200 Jahre lang als Lehrbuch der Montanwissenschaften in Europa und in der Welt [1]. Die Bergordnungen von Jáchymov aus dem 16. Jahrhundert beeinflussten die Gestalt der Berggesetzgebung bis ins 19. Jahrhundert [1].

Ab dem Jahr 1520 wurden in der Münzstätte von Jáchymov silberne Taler nach dem Vorbild der sächsischen Guldengroschen geprägt. Sie wurden zum europaweiten Synonym für große silberne Handelsmünzen und bildeten ab der Mitte des 16. Jahrhunderts die Grundlage des Talersystems, das in einer Reihe europäischer Länder bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verwendet wurde; vom Namen des Joachimstalers ist auch der Name des amerikanischen Dollars abgeleitet [1]. Mit der Entwicklung des Silberbergbaus in Jáchymov im 16. Jahrhundert hängt auch eine Reihe technischer Erfindungen zusammen, zum Beispiel die Pumpmaschine namens Mihadlo, die 1551 in Jáchymov erfunden und in europäischen Bergbaugebieten bis ins 19. Jahrhundert verwendet wurde [1]. Im Jahr 1716 wurde in Jáchymov die erste staatliche Bergbauschule der Welt gegründet, die zum Vorbild für die Entstehung ähnlicher Schulen in der Habsburgermonarchie und anderswo in Europa wurde [1].

Weitere tschechische Stätten

Neben Jáchymov umfasst der tschechische Anteil an der Stätte noch vier weitere Stätten: Hornická krajina Abertamy – Boží Dar – Horní Blatná, Rudá věž smrti, Hornická krajina Krupka und Hornická krajina Mědník [1]. Die Quellen beschreiben diese einzelnen Stätten nicht gesondert über ihre namentliche Nennung unter den Bestandteilen der Stätte hinaus.

Quellen

  1. Národní památkový ústav
  2. Montanregion Krušné hory – Erzgebirge, o.p.s.