Die Kirche Kostel Všech svatých mit Beinhaus ist eine zweigeschossige Friedhofskirche in Sedlec bei Kutná Hora, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Teil eines Zisterzienserklosters erbaut wurde.

Die Kirche Kostel Všech svatých mit Beinhaus steht in Sedlec in der Umgebung des heutigen Kutná Hora im Středočeský kraj. Sie entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und gehörte zu einem Zisterzienserkloster, das nicht mehr existiert.[1]
Kloster und Friedhof
Der Adlige Miroslav schenkte den Zisterziensern große Grundstücke nahe dem heutigen Kutná Hora. Das älteste Kloster dieses Ordens auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens hat eine Gründungsurkunde aus dem Jahr 1142. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfiel das Kloster aus Geldmangel, in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts fand jedoch einer der Mönche Silber auf dem Klosterland, das Kloster wurde reich und Kutná Hora entstand.[1]
Im 14. Jahrhundert hatte Kutná Hora fast 80 Tausend Einwohner. Die Menschen starben dort an Hunger, an der Pest, beim Bergbau, wegen schlechter Hygiene und infolge von Kriegskonflikten. Die meisten Toten wurden in Sedlec begraben, wo es den einzigen funktionierenden christlichen Friedhof gab, der Ende des 14. Jahrhunderts 3,5 Hektar groß war. Die Beliebtheit des Friedhofs wurde der Sage nach dadurch gesteigert, dass Abt Heidenreich von seiner Reise nach Jerusalem eine Handvoll Erde aus Hakeldama mitbrachte und so das erste heilige Feld in Mitteleuropa anlegte.[1]
Entstehung und Bau
Weil im 14. und 15. Jahrhundert viele Menschen starben und später Fläche freigemacht werden musste, war es nötig, den Friedhof zu verkleinern und die ausgegrabenen Knochen ehrfürchtig zu lagern. Christliche Bräuche verlangen, Skelettreste unterhalb der Erdoberfläche abzulegen, deshalb entstand eine zweigeschossige Friedhofskirche. In der unterirdischen unteren Kapelle wurden die Gebeine abgelegt, in der oberen fanden Gottesdienste für die Verstorbenen statt.[1]
Das genaue Datum der Fertigstellung der Kirche ist nicht bekannt, Fachleute neigen zur ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.[1]
Spätere Schicksale
Bei den Hussitenkriegen im Jahr 1421 litten wahrscheinlich Dach und Statik der Kirche. Die gotische Kathedrale, geweiht der Himmelfahrt der Jungfrau Maria und dem heiligen Johannes dem Täufer, die in der Nähe steht und in den Jahren 1290 bis 1320 entstand, wurde niedergebrannt, und die Zisterzienser wurden dort ermordet. Das Leben kehrte nur langsam in das Kloster zurück, wahrscheinlich erst um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche teilweise instand gesetzt.[1]
An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert beschaffte Abt Jindřich Snopek Mittel für die Instandsetzung der Kathedrale und zog führende Künstler hinzu, unter ihnen den Architekten Johann Blasius Santini Aichel. Santini setzte auch die Kirche mit dem Beinhaus instand und gilt als Schöpfer der ersten Ausschmückung der unteren Kapelle aus Knochen.[1]
Kaiser Joseph II. hob das Zisterzienserkloster 1783 auf, und seine Gebäude wurden in einer öffentlichen Versteigerung verkauft. Die Kathedrale begann als Lager zu dienen, im Konvent wurde Tabak verarbeitet, und das Patronat über die Kirche Kostel Všech svatých übernahm die Familie Schwarzenberg. Der Friedhof wurde verkleinert, und die Knochen aus den aufgelassenen Gräbern wurden teils im Beinhaus, teils in einer Massengrabstätte abgelegt. Die Schwarzenbergs finanzierten im 19. Jahrhundert eine umfangreiche Rekonstruktion des Beinhauses, verbunden mit der Erneuerung und Erweiterung der Skelettausschmückung. Sie wurde 1870 abgeschlossen, und ihr Urheber war František Rint.[1]