Das Jüdische Viertel erstreckt sich am linken Ufer des Flusses Jihlava in Třebíč. Es besteht aus einer dichten Bebauung aus engen Gassen, Durchgängen und Häusern, die durch Durchbrüche, Veranden und Balkone miteinander verbunden sind, und gehört nach Angaben des Betreibers des Touristeninformationszentrums zu den städtebaulich am besten erhaltenen in Europa [1].
Geschichte
Laut einer der Quellen wirkten hier die ersten jüdischen Kaufleute wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert, während die erste schriftliche Erwähnung von Juden in Třebíč aus dem Jahr 1338 stammt [1][2]. Das Viertel am linken Ufer der Jihlava entwickelte sich allmählich über mehrere Jahrhunderte und erlebte seine größte Blüte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts [1].
Im Jahr 1723 ordnete der Besitzer der Herrschaft Třebíč, Jan Josef z Valdštejna, einen Tausch der Häuser zwischen Christen und Juden an, damit ein abgesondertes Ghetto entstand [1]. Darin lebten dann bis zu hundert Jahre lang bis zu 1800 Einwohner unter den Bedingungen einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit zwischen den beiden Religionsgemeinschaften [2]. Das Ghetto wurde 1848 offiziell aufgehoben [1]. Nach der Gleichstellung der Juden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten die Bewohner des Viertels in andere Stadtteile und anderswohin ziehen [1][2].
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Třebíčer Juden in Konzentrationslager deportiert. Nach einer Quelle lebten vor den Deportationen fast 300 Einwohner im Viertel, von denen nur einige Personen zurückkehrten [1]; nach der zweiten Quelle soll es sich um 281 Třebíčer Juden gehandelt haben, von denen nur einzelne Personen den Holocaust überlebten [2]. Die Zurückgekehrten hatten nicht mehr die Kraft, die Gemeinde wiederzubeleben, und die jüdische Gemeinde in Třebíč erlosch [1].
Anders als viele andere jüdische Viertel wurde das Třebíčer nicht dem Erdboden gleichgemacht und erfuhr in den 1990er Jahren eine umfassende Erneuerung [2]. Die Sanierung des wertvollsten Gebäudes des Viertels, der Hinteren Synagoge in der Blahoslavova ulice, erfolgte in den Jahren 1988 bis 1997 [3].
Erscheinungsbild und Denkmäler
Die erhaltene Bebauung ist nach Angaben des Národní památkový ústav außerordentlich dicht; die Kerne und Grundrisse der Häuser sind vor allem renaissancezeitlich und barock und enthalten zahlreiche stilistische Details; viele Häuser sind miteinander verbunden, und die Struktur des Viertels ergänzen dunkle Durchgänge, enge Gassen und Souterrainräume [3]. Heute zählt das Viertel mehr als hundert erhaltene Bauten, darunter zwei Synagogen, ein Gemeindehaus, das Haus des Rabbiners, ein Armenhaus, ein Krankenhaus und eine Schule [1]. Neben der Hinteren Synagoge steht das Haus des Seligmann Bauer, in dem eine rekonstruierte jüdische Küche, ein Schlafzimmer und ein Laden zugänglich sind [2].
Teil des Denkmalensembles ist auch der jüdische Friedhof am nördlichen Hang des Hügels Hrádek mit fast dreitausend steinernen Grabsteinen und einer Zeremonienhalle aus dem Jahr 1903 [3]. Nach Angaben des Touristenzentrums ist dieser Friedhof nach dem Alten Jüdischen Friedhof in Prag der zweitgrößte seiner Art in Tschechien [2].
Die bauliche Dominante von Třebíč bildet der Komplex des ehemaligen Benediktinerklosters, das 1101 gegründet wurde, mit der spätromanischen Basilika St. Prokop, deren Innenraum mit Gewölben, einer großen Krypta und einem reich profilierten Eingangsportal nach Angaben des Národní památkový ústav zu den bemerkenswertesten Denkmälern der mittelalterlichen Baukunst gehört [3].
Schutz und Status
Das Jüdische Viertel wurde 2003 zusammen mit dem jüdischen Friedhof und der Basilika St. Prokop mit dem Schlossareal in die UNESCO-Liste des Welterbes der Kultur und Natur eingetragen [1][3]. Der Wert des Denkmals besteht nach Angaben des Betreibers des Touristeninformationszentrums darin, dass auf einem einzigen Gebiet nebeneinander über Jahrhunderte Christen und Juden lebten, zwei unterschiedliche Ethnien mit verschiedener Religion, Kultur und Tradition, und zwar ohne größere Konflikte [1].
Besuch
Nach Angaben des Touristeninformationszentrums ist die Hintere Synagoge, das Jüdische Viertel selbst, frei zugänglich [1]. Das Informationszentrum bietet kommentierte Führungen mit Begleitung an, einschließlich des Besuchs der Gedenkhalle von Antonín Kalina und der Ausstellung Děti Antonína Kaliny [1]. Rundgang I kombiniert die Besichtigung der Hinteren Synagoge mit der Besichtigung des Hauses des Seligmann Bauer und einem Spaziergang durch das Viertel von 1,5 bis 2 Stunden Dauer, Rundgang II umfasst zusätzlich den Besuch des jüdischen Friedhofs und dauert 2 bis 2,5 Stunden; bei größeren Gruppen empfiehlt das Zentrum, mehr Zeit einzuplanen [1].