Štramberk ist eine Stadt in der Region Nový Jičín mit dem Burgturm Trúba, deren Lokationsurkunde von 1359 erhalten ist.

Štramberk, 2006
Štramberk, 2006Foto: David Paloch ( Caroig ), 2006 · CC BY-SA 2.5 · Wikimedia Commons

Štramberk ist eine Stadt in der Region Nový Jičín im Moravskoslezský kraj. Laut der Website der Stadt war ihr Gebiet schon in der Vorgeschichte besiedelt, und über der Stadt steht die Burgruine mit dem Turm Trúba, der das Wahrzeichen der Stadt ist.[1]

Vorgeschichte und Mittelalter

Die Besiedlung ist durch Funde in den Höhlen Šipka und Čertova díra belegt, die heute verschüttet ist. Überreste einer Siedlung und Skelettfunde des Neandertalers werden auf etwa 40 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert. Jüngere archäologische Funde stammen aus der Jungsteinzeit und aus der Jungbronzezeit, als auf dem Kotouč eine befestigte Siedlung entstand.[1]

Mittelalterliche Besiedlung ist für die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts belegt, an deren Ende die Burg erbaut wurde, die älter ist als das Städtchen unter ihr. Die erste Erwähnung des Burgdorfes stammt aus dem Jahr 1211. Gründung und Besitzverhältnisse der Burg bleiben ungeklärt.[1]

Am 4. Dezember 1359 stellte der mährische Markgraf Johann Heinrich von Luxemburg, ein Bruder Karls IV., der Stadt die Lokationsurkunde aus. Štramberk ist die einzige Stadt der Region Nový Jičín, bei der die Gründungsurkunde erhalten ist.[1] Die Stadt entstand unter der Burg, um die Ordnung im Nordosten Mährens zu sichern. Sie erhielt das Meilenrecht, nach dem im Umkreis einer Meile (acht Kilometer) keine Handwerke betrieben werden durften, die in der Stadt ausgeübt wurden, ferner das Braurecht, das Recht, Fleisch zu verkaufen und Brot zu backen, sowie einen wöchentlichen Markt am Dienstag. An der Spitze der Stadt standen ein Richter mit erblichem Richteramt und die Ratsherren, und die Stadt war von Zahlungen und Abgaben an den Markgrafen befreit.[1]

Neuzeit

Ab dem 15. Jahrhundert bekannte sich die Mehrheit der Einwohner einschließlich der Obrigkeit meist zum Glauben der Böhmischen Brüder. Im Jahr 1624 ging die Stadt an die Jesuiten. Der Dreißigjährige Krieg traf die Stadt und die Umgebung und verwüstete sie mehrmals. Die Olmützer Jesuiten wollten in Štramberk ein Zentrum der Gegenreformation schaffen, weshalb hier zwei Kirchen, ein Kreuzweg auf den Kotouč und ein Heiliges Grab in der Höhle Čertova díra entstanden und die Tradition der Wallfahrten erneuert wurde. Die Reformen Josephs II. hoben beide Wallfahrten auf, was die Stadt hart traf, und eine Reihe von Nichtkatholiken zog nach Sachsen, wo sie in der Oberlausitz eine Siedlung der Böhmischen Brüder gründeten.[1]

Die Einwohner lebten lange vom Handel und vom Handwerk, ergänzend von der Landwirtschaft. Die ersten Zünfte entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts, und in den 1860er Jahren erschienen in der Stadt die ersten tschechischen Vereine.[1]

19. und 20. Jahrhundert

Im Jahr 1880 fand Professor K. J. Maška aus Nový Jičín auf dem Kotouč einen Teil des Unterkiefers eines Neandertalerkindes, den sogenannten Šipka-Kiefer, der nach der Website der Stadt ein Fund von außergewöhnlicher Bedeutung ist.[1] Im Jahr 1895 entstand in Štramberk eine Ortsgruppe des Klubs der tschechischen Touristen. Unter der Leitung von Dr. med. Adolf Hrstka rettete sie die Reste der Burg, die im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt worden waren und im 18. Jahrhundert verfielen. Der Verein kaufte die Ruine und ließ in den Jahren 1903 bis 1904 den zylindrischen Turm überdachen und zu einem Aussichtsturm umbauen.[1]

Ein größerer wirtschaftlicher Aufschwung setzte Ende des 19. Jahrhunderts mit der Gründung eines Kalksteinbruchs auf dem Kotouč ein. Im Jahr 1881 wurde die Lokalbahn nach Studénka gebaut und 1896 eine weitere nach Veřovice.[1] Nach dem Münchner Abkommen fiel Štramberk an das annektierte Sudetengebiet und wurde am 10. Oktober 1938 von deutschen Truppen besetzt.[1]

Quellen

  1. Město Štramberk