
Verteidigungsminister Jaromír Zůna (für die SPD) beauftragte laut einer Erklärung des Ministeriums vom 16. Oktober 2026 den Generalstabschef Miroslav Hlaváč mit dem Antrag, den Kommandeur der Informations- und Cyberkräfte, Radek Haratek, auf einen anderen Dienstposten zu versetzen. Das Ressort habe die Erklärung abgegeben, weil sich die öffentliche Diskussion über Haratkes Tätigkeit in eine irreführende Richtung entwickle.[1][2]
Ablauf laut Ministerium
Haratek selbst hatte beantragt, sein Dienstverhältnis vorzeitig zu beenden, bevor seine Dienstverpflichtung ablaufe. Hlaváč leitete den Antrag am 2. September an den Minister weiter. Das Ressort bewertete ihn im Hinblick auf die Vorschriften als unzureichend begründet und gab ihm daher nicht statt. Zůna erteilte Hlaváč daraufhin nach einer Gesamtbewertung die Weisung, einen Antrag auf Versetzung zu stellen. Hlaváč führte am 1. Oktober mit Haratek ein Personalgespräch über mögliche Änderungen seiner Verwendung.[1][2]
Laut Ministerium müsse in absehbarer Zeit auch mit Blick auf die Laufbahnordnung über Haratkes Verwendung entschieden werden. Haratek ist seit Mai 2023 Kommandeur.[1][2]
Frühere Überprüfungen
Das Ressort erinnerte daran, dass im Zusammenhang mit Haratkes Tätigkeit im Bereich Führung und Kommando verschiedene Überprüfungen stattgefunden hätten. Als schwerwiegendste bezeichnete es die Projekte Karel und Volby 2025, die seiner Darstellung nach mit der Überwachung und Analyse des Informationsumfelds zusammenhingen, unter anderem in sozialen Netzwerken. Die Fälle wurden von der Militärpolizei unter Aufsicht eines Staatsanwalts untersucht und anschließend an den damaligen Generalstabschef Karel Řehka übergeben, damit er sie disziplinarisch kläre. Das Ministerium betonte, es handle sich um eine langjährige Angelegenheit aus der Zeit der vorherigen Ressortführung.[1][2]
Laut Ministerium erkundigte sich Ministerpräsident Andrej Babiš am 17. September schriftlich nach der Lösung des Falls und erhielt am 30. September eine Antwort mit einer Beschreibung der getroffenen Maßnahmen.[1][2]
Vorangegangener Streit
Den Streit löste Zůnas Mitteilung in der Antwort auf eine parlamentarische Interpellation aus, wonach er Hlaváč angewiesen habe, den General abzuberufen. Als Erster berichtete darüber laut beiden Medien der Ekonomický deník.[1][2]
Verwandte Einträge: Jaromír Zůna, Radek Haratek
Haltung des Generalstabs zur Weisung
Laut der Antwort der Sprecherin des Generalstabs, Zdeňka Sobarňa Košvancová, auf Anfragen des Ekonomický deník bleibt Brigadegeneral Radek Haratek im Amt des Kommandeurs des Kommandos der Informations- und Cyberkräfte und genießt das Vertrauen des Generalstabschefs Miroslav Hlaváč.[3] Die Sprecherin erklärte, Haratek sei Kommandeur und übe die Funktion weiterhin aus.[3]
Auf die Frage, ob Hlaváč die Weisung des Verteidigungsministers Jaromír Zůna zur Abberufung umsetzen wolle, antwortete der Generalstab nicht direkt. Er teilte lediglich mit, Personalangelegenheiten und mögliche Personalschritte nicht zu kommentieren. Růžička erklärte gegenüber dem Ekonomický deník, die Abberufung Haratkes sei ein erster Schritt, bedeute seiner Ansicht nach aber nur die Beseitigung der Folgen und nicht die Übernahme der vollen systemischen Verantwortung. Auch auf die Frage, worum es bei dem Treffen zwischen Hlaváč und Haratek in Olmütz gegangen sei, über dessen Vorbereitung der Ekonomický deník am 14. Oktober 2026 berichtet hatte, antwortete er nicht.[3]
Der Abgeordnete Pavel Růžička (ANO 2011), dessen Interpellation zur Antwort des Ministers geführt hatte, sagte, er stütze sich auf diese Antwort und habe kein Problem damit, sich mit jemandem aus der Armee zu treffen. Er räumte ein, möglicherweise einen Fehler gemacht zu haben, weil er sich nicht schon früher mit Haratek getroffen und manche Dinge nicht gleich zu Beginn geklärt habe. Er fügte hinzu, dass die Bewegung damals in der Opposition gewesen sei und er sich nicht in die Sache habe einmischen wollen.[3]
Interpellation und Stellungnahme des Generalstabs
Zůna äußerte sich zu Haratkes Abberufung in seiner Antwort auf die Interpellation von Pavel Růžička (ANO 2011), dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Abgeordnetenhauses. Laut der Antwort erhielt Generalstabschef Miroslav Hlaváč die Weisung, Haratek von der Spitze des Kommandos der Informations- und Cyberkräfte abzuberufen und ihn auf einen anderen Dienstposten zu versetzen. Die Armee werde laut Zůna keine Informationen über Nutzer sozialer Netzwerke sammeln.[4]
Laut derselben Antwort auf die Interpellation des Abgeordneten Pavel Růžička (ANO 2011), des stellvertretenden Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Abgeordnetenhauses, sicherte die Militärpolizei schriftliche und elektronische Unterlagen zu den Projekten Karel und Volby 2025; darüber berichteten auch Echo24 und FORUM 24. Diese deuteten an, dass die Aufgaben von Haratek ausgegangen seien, der sie direkt an die Zentren der einzelnen Einheiten habe erteilen und damit die Kommandostufen habe umgehen können, und dass die Tätigkeiten außerhalb der geplanten Vorbereitung der Einheit stattgefunden haben könnten. Die Militärpolizei kam zu dem Schluss, dass militärische Vorschriften über die Grundsätze von Führung und Kommando verletzt worden sein könnten, stellte jedoch keine ausreichenden Tatsachen für die Begehung einer Straftat fest. Sie erhob gegen niemanden Anklage und übergab die Angelegenheit der Armeeführung zur disziplinarischen Behandlung.[4][5]
Růžička hatte im August 2025 zu beiden Projekten eine Strafanzeige erstattet und dabei angegeben, die Armee habe Informationen über Politiker gesammelt. Der damalige Generalstabschef Karel Řehka bestritt dies und bezeichnete Růžičkas Angaben als irreführend. Růžička betrachtet Haratkes Abberufung nicht als ausreichende Übernahme von Verantwortung: Er bezeichnete sie als ersten Schritt, der die Folgen beseitige, aber nicht die volle systemische Verantwortung begründe.[4]
Der Generalstab teilte laut Ekonomický deník später mit, dass Haratek Kommandeur sei und die Funktion weiterhin ausübe, und die Sprecherin bestätigte laut demselben Portal, dass er das Vertrauen des Generalstabschefs genieße. Auf die Frage, ob Hlaváč die Weisung Zůnas umsetzen wolle, antwortete der Generalstab nicht direkt und wollte Personalschritte nicht kommentieren. Das Portal berichtet, dass Hlaváč nach seinen Informationen vom 14. Oktober 2026 zu Haratek nach Olmütz fahren wollte; den Inhalt des Treffens teilte der Generalstab nicht mit.[3]
Chronologie
- — Das Verteidigungsministerium gab bekannt, dass Minister Jaromír Zůna den Generalstabschef Miroslav Hlaváč angewiesen hat, die Versetzung des Kommandeurs der Informations- und Cyberstreitkräfte Radek Haratek auf einen anderen Dienstposten vorzuschlagen, nachdem das Ministerium seinen Antrag auf Beendigung des Dienstverhältnisses abgelehnt hatte. Seznam Zprávy Hospodářské noviny
- — Verteidigungsminister Jaromír Zůna (für die SPD) wies in seiner Antwort auf eine Interpellation den Chef des Generalstabs an, Radek Haratek, den Kommandeur des Kommandos für Informations- und Cyberkräfte, abzuberufen; der Generalstab erklärte später, Haratek bleibe im Amt. Echo24 FORUM 24
Quellen
- Seznam Zprávy — 16. Oktober 2026
- Hospodářské noviny — 16. Oktober 2026
- Ekonomický deník — 14. Oktober 2026
- Echo24
- FORUM 24