Lipno ist ein Stausee an der Moldau im Böhmerwald, nach Angaben des Turistický spolek Lipenska 42 km lang, in dessen Umgebung Siedlungen liegen, die seit 1281 erwähnt werden.

Zámek Lipno, Lipno 1, 2014
Zámek Lipno, Lipno 1, 2014Foto: Gortyna, 2014 · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Lipno ist ein Stausee an der Moldau in Südböhmen, in der Landschaft des Böhmerwalds nahe der Grenze zu Österreich und Deutschland. Nach Angaben des Turistický spolek Lipenska ist der Stausee 42 km lang und an der breitesten Stelle 10 km breit und wird auch als Böhmisches Meer bezeichnet.[1]

Wassersport und die Moldau

Auf der Wasserfläche betreiben dem Verein zufolge Kajakfahrer, Segler, Surfer und Drachenflieger ihren Sport; es gibt Ausrüstungsverleihe und Dampferfahrten. Rund um den Stausee befinden sich mehrere Dutzend Strände, teils sandig, teils mit Wiese.[1]

Die Moldau, die den Stausee speist, ist oberhalb und unterhalb der Staumauer schiffbar. Im oberen Abschnitt durchfließt sie das Gebiet des Nationalparks Böhmerwald. Unterhalb der Staumauer bildet sie die Stromschnellen Čertovy proudy, auf denen die Europameisterschaften im Wildwasserslalom ausgetragen werden und wo der Film Rafťáci gedreht wurde. Den Flussabschnitt von Vyšší Brod über Rožmberk flussabwärts bezeichnet der Verein als den meistbesuchten Fluss der Tschechischen Republik.[1]

Natur

Der obere Teil der Region Lipensko gehört zum Nationalpark Böhmerwald, wo die Kämme über 1300 Meter über dem Meeresspiegel erreichen. Der höchste Berg ist der Plechý (1378 m), unter dem der Plešné jezero glazialen Ursprungs liegt. Bei der Gemeinde Stožec blieben Reste von Urwäldern erhalten, und hier steht die hölzerne Stožecká kaple.[1]

Das gesamte rechte Ufer des Stausees gehört zum Landschaftsschutzgebiet Böhmerwald. Am linken Ufer nördlich von Horní Planá liegt der teilweise zugängliche Vojenský újezd Boletice. Nach Angaben des Vereins leben in den Wäldern Luchs, Auerhuhn, Birkhuhn und Elch, allmählich kehrt der Wolf zurück. In der oberen Moldau leben die Flussperlmuschel und der Fischotter.[1]

Radfahren und Attraktionen

Nach Angaben des Vereins verlaufen in der Umgebung des Stausees die längsten tschechischen Strecken zum Inlineskaten und für Freizeitradfahrten. Von Stožec nach Lipno nad Vltavou führen mehrere Dutzend Kilometer asphaltierter Wege, die ausschließlich Inlineskatern und Radfahrern vorbehalten sind. Von Jelení Vrchy nach Rožmberk führt entlang des Schwarzenberský plavební kanál, des Stausees und der Moldau eine 70 km lange Strecke, überwiegend bergab.[1]

Unter den Attraktionen nennt der Verein die Stezka v korunách stromů, das Království lesa, zwei ganzjährig betriebene Bobbahnen, Kletterparks, Aussichtstürme, Schiffsfahrten der Lipno Line und eine Minigolfanlage in Lipno nad Vltavou.[1]

Besiedlung und Flößerei

Die ältesten Aufzeichnungen über die Besiedlung der heutigen Gemeinde Lipno nad Vltavou stammen aus dem Jahr 1281, als die Siedlungen Studené, Plískov, Kobylnice, Slupečná und Petrův mlýn erwähnt werden. Die Siedlungen gehörten zum Besitz der Rosenberger und gingen bis Ende des 15. Jahrhunderts an das Zisterzienserkloster in Vyšší Brod über. Petrův mlýn liegt heute unter der Wasserfläche des Stausees. Slupečná war bis zum Bau der Siedlung Lipno eine eigenständige Gemeinde und ist seit 1954 ein Ortsteil von Lipno nad Vltavou.[2]

Im Jahr 1530 standen in den Siedlungen laut Urbar 28 bewirtschaftete Häuser, und es lebten hier etwa 150 bis 170 Einwohner. Damals erscheint erstmals auch Lipno selbst mit drei Anwesen. Die Siedlungen lagen am linken Ufer der Moldau, die sie ernährte, bei der Schneeschmelze im Frühjahr aber auch bedrohte.[2]

Holz wurde auf der Moldau oberhalb des heutigen Stausees bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts geflößt, und 1530 entstand ein Vorschlag, die Čertovy proudy schiffbar zu machen. Im Jahr 1575 wurde die Flößerei ein freies Gewerbe, und für die örtlichen Bauern wurde sie zum Hauptberuf. Vor den Čertovy proudy wurden die Flöße auseinandergenommen, und das Holz wurde auf Ochsengespannen nach Vyšší Brod gefahren. Die Bauern in Kramolín konzentrierten sich deshalb auf die Zucht von Zugochsen.[2]

Quellen

  1. Turistický spolek Lipenska
  2. Obec Lipno nad Vltavou