Das Letohrádek královny Anny ist ein Renaissancegebäude am östlichen Rand der Královská zahrada der Prager Burg in Prag. Ferdinand I. ließ es für seine Frau Anna Jagiello errichten, und der Bau dauerte laut den Seiten von Prague City Tourism von 1538 bis 1560.[1] Heute dient es als Ausstellungsraum für bildende und angewandte Kunst.[1]
Entstehung des Baus
Ferdinand I. legte hinter den Mauern der Prager Burg einen königlichen Garten an und begann 1538, darin ein Lustschloss zu errichten. Königin Anna erlebte die Fertigstellung nicht mehr, sie starb 1547 nach der Geburt des fünfzehnten Kindes. Ferdinand verließ Prag nach dem Brand von 1541, der den Bau unterbrach.[1]
Laut den Seiten von Prague City Tourism entstand das Lustschloss nach Entwurf und Modell des italienischen Baumeisters und Steinmetzes Paolo della Stella im italienischen Renaissancestil. Den Bau leitete Giovanni Spatio, nach ihm G. Maria del Pambio. Die Arbeiten wurden in den Jahren 1548 bis 1552 unter der Leitung von Paolo della Stella fortgesetzt, der auch die steinernen Reliefs an den Arkaden der Galerie meißelte.[1] Im Jahr 1563 vollendeten den Bau Hans Tirole und vor allem Bonifaz Wohlmut, der das erste Obergeschoss hinzufügte.[1]
Ausschmückung und Gestalt
Die Seiten bezeichnen das Lustschloss als reinste Renaissancearchitektur außerhalb Italiens.[1] Das Gebäude umgibt ein 80 Zentimeter hoher ornamentaler und figuraler Fries, die 36 Säulen der äußeren Arkaden haben verzierte toskanische Kapitelle, und an den Wänden befinden sich 114 Reliefs. Sie zeigen überwiegend Szenen aus Mythologie, Jagd und Kriegen. Unter ihnen ist auch der Gründer Ferdinand I. mit dem Orden vom Goldenen Vlies auf der Brust, der seiner Frau eine Feigenblüte reicht. Die Steinmetzarbeit ist in feinkörnigem Sandstein ausgeführt.[1]
Das Erdgeschoss mit den Wohnräumen umgibt eine Arkadengalerie, im ersten Obergeschoss befanden sich ein Tanzsaal und eine Galerie. Das Kupferdach in Form eines umgekehrten Schiffskiels war mit rot-weißen Streifen und gemalten Symbolen des Königreichs Böhmen geschmückt.[1]
Spätere Schicksale
Das Lustschloss nutzte am meisten Rudolf II., der im ersten Obergeschoss eine astronomische Sternwarte einrichtete. Zu den Gästen zählten Tycho Brahe und Johannes Kepler. Der Kaiser selbst starb hier 1612 nach dem Verlust des königlichen Titels. Danach wurde das Lustschloss verlassen und 1648 von schwedischen Soldaten geplündert. Im Lauf der Zeit nannte man es auch Belvedere, was die Seiten als falsche Bezeichnung einstufen, Ferdinandeum nach dem Gründer oder Observatorium.[1]
Joseph II. überließ das Lustschloss der Armee, die darin ein Artillerielabor einrichtete. Im Jahr 1836 erreichte der Oberstburggraf Karl Chotek anlässlich der Krönung Ferdinands V. den Auszug der Artilleristen. In den Jahren 1841 bis 1855 erneuerten die Architekten Bernard Grueber und Peter Nobile das Gebäude und richteten es als Gemäldegalerie der patriotischen Kunstfreunde her. Damals entstand auch eine monumentale klassizistische Treppe.[1]
Zugang
Laut den Seiten von Prague City Tourism wird das Lustschloss ab Mai 2026 länger als ein Jahr geschlossen sein. Der Zugang zur Královská zahrada wird nicht eingeschränkt.[1]