Kostel svaté Ludmily ist eine römisch-katholische Kirche am Náměstí Míru im Prager Stadtteil Vinohrady. Es handelt sich um einen neugotischen Bau aus den Jahren 1887 bis 1893 nach einem Entwurf des Architekten Josef Mocker, der 2022 zur Basilica minor erhoben wurde.[1]
Entstehung
Královské Vinohrady wurde 1879 zur Stadt. Eine eigene Seelsorgestelle wurde durch Erlass vom 31. Oktober 1884 eingerichtet. Bis dahin wurden Messen in der Schulkapelle in der heutigen Belgická ulice gefeiert. Einen eigenen Friedhof legte die Stadt 1885 an. Die Vertreter der Gemeinde wollten am Hauptplatz, damals Purkyňovo náměstí und heute Náměstí Míru, eine geräumige Kirche errichten, die die Gemeinde repräsentieren sollte. Im Jahr 1884 befanden sich am Baugrund Roggenfelder, später ein Zirkus und eine Tierschau.[1]
Das Projekt der Pfarrkirche von Josef Mocker, dem Vollender des Veitsdoms, wurde am 8. November 1888 genehmigt. Der Grundstein wurde am 25. November 1888 gelegt, und der Bau schritt dann rasch voran. Im Jahr 1892 besuchte Kaiser Franz Joseph I. die Baustelle, und zur Kirche trug auch die Kabinettskanzlei aus Wien bei. Die feierliche Weihe fand am 8. Oktober 1893 statt, Hauptzelebrant war der Prager Erzbischof Kardinal František de Paula Schönborn mit zwei Bischöfen. Die Kirche ist der heiligen Ludmila geweiht, und ihre Innenausstattung wurde auch später noch vervollständigt.[1]
Basilica minor
Die römisch-katholische Pfarrei bei der heiligen Ludmila gab am 11. August 2022 bekannt, dass Papst Franziskus die Kirche im Juli 2022 zur Basilica minor erhoben und ihr diesen Ehrentitel verliehen hat.[1]
Krippe
In der Kirche befindet sich eine Krippe, die in den Jahren 1910 bis 1925 nach und nach entstand und das Werk zweier tschechischer Kunstwerkstätten ist. Die Grundlage bilden die Hauptfiguren, also die Heilige Familie, der Engel und die Heiligen Drei Könige sowie einige Stifter, ferner der Stall und der Hintergrund. Diesen Teil schuf in den Jahren 1910 bis 1914 der Schnitzer František Vratislav Buk (1855–1927) aus Nové Město.[1]
Anfang der 1920er Jahre wurde die Krippe um eine große Gruppe von Stifterfiguren und eine Schafherde mit einem Widder erweitert, die die Firma von František Charvát (1886–1954) aus Kutná Hora anfertigte. Die Krippe hat 29 menschliche Figuren und 23 Tierfiguren, ihre Höhe beträgt etwa 30 cm. Ende des 20. Jahrhunderts wurde sie restauriert. Künstlerisch knüpft sie an das Erbe von Mikoláš Aleš an und enthält Figuren, die für das tschechische ländliche Milieu typisch sind.[1]