Die Basilika der Heimsuchung Mariens steht auf dem Svatý Kopeček bei Olmütz, auf einer Anhöhe östlich der Stadt. Sie ist ein Wallfahrtsort, der mit dem Prämonstratenserkloster Hradisko verbunden ist, dessen Grundstück die Grundlage der gesamten Anlage bildet.[1][2]

Anfänge des Wallfahrtsortes

Die Geschichte des Ortes ist mit der Gestalt des Jan Andrýsek verbunden, des Sohnes des Olmützer Bürgers Samuel Andrýsek, der nach 1623 aus Ratiboř nach Olmütz zugezogen war. Jan Andrýsek handelte mit Wein und besuchte auf seinen Reisen nach Österreich die Kirche des hl. Martin über Lulč bei Tučapy. Er gelobte, der Jungfrau Maria auf einem Hügel östlich von Olmütz eine Kapelle zu errichten, falls er zu Wohlstand käme. Das Versprechen schob er lange auf, bis ihn der Überlieferung nach die Mutter Gottes im Traum zweimal zu dessen Erfüllung aufforderte.[1]

Ende Februar 1629 gelangte Andrýsek während eines heftigen Schneesturms an einen Ort oberhalb des Dorfes Droždín, wo er der Überlieferung nach einen von Licht durchfluteten Hügel erblickte, ähnlich dem, der ihm im Traum erschienen war. Das Grundstück gehörte dem Prämonstratenserkloster Hradisko. Abt Leodegarius und Prior Maximilian Pracher billigten Andrýseks Vorhaben, und das Olmützer Bistum erteilte am 13. März 1629 die Zustimmung zum Bau der Kapelle. Den Grundstein weihte noch im selben Jahr der neu gewählte Abt Pracher.[1]

Der Bau der Kapelle an dem Ort namens Svatá Hora wurde innerhalb von vier Jahren abgeschlossen und am 3. April 1633 vom Olmützer Weihbischof Philipp Breuner geweiht. Auf dem Altar stand seit dem Vorjahr ein steinernes Relief der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, dessen Auffindung ein mit dem Küsterdienst betrauter Einsiedler schilderte. Nach seiner Darstellung legten unbekannte, weiß gekleidete Pilger das Bild auf den Altar. Nach dem Text der Pfarrei überwiegt heute die Ansicht, dass es sich um eine ältere Kunstplastik handelte, die zuvor an einem anderen Ort in der Natur verehrt worden war.[1]

Am Tag der Weihe der Kapelle soll nach Zeugenaussagen der bis dahin blinde Alexander Bory, Sohn eines Adligen, sein Augenlicht erlangt haben. Das Olmützer bischöfliche Konsistorium forderte in dieser Sache eine schriftliche Aussage vom Arzt Dr. Stupani und vom Bürger Erasmus Blitling an.[1]

Im Jahr 1642 besetzten die Schweden Olmütz und hielten es acht Jahre lang besetzt. Im Jahr 1645 warf ein schwedischer Leutnant einen brennenden Pechkranz in die Kapelle; nach dem Brand blieben nur kahle Mauern, und das Gnadenbild ging verloren.[1]

Der Bau der heutigen Kirche

Nach der lateinischen Inschrift an der Fassade wurde das Heiligtum zu Ehren der Heimsuchung Mariens bei Elisabeth vom fünfzigsten Abt von Hradisko, Aleš, errichtet und von seinem Nachfolger Norbert Želecký von Počenice vollendet. Es wurde 1679 vom Olmützer Bischof Karl Fürst von Liechtenstein geweiht; die Ausstattung ließ der Abt des Klosters Hradisko, Robert Sancius, ausführen.[2]

Die Innenausstattung entstand in zwei Abschnitten: In den Jahren 1675–1679 wurde das Gewölbe ausgeführt, in den Jahren 1722–1732 die Flächen vom Kirchengesims abwärts. Den Stuckschmuck des Presbyteriums, stellenweise bis zu 30 Zentimeter tief, schufen in den Jahren 1675–1679 die italienischen Meister Quirico Castelli, Domenico Gagini, Carlo Borsa und Matteo Contessa. Die Freskenausstattung al secco führte ein junger Italiener namens Jakub nach Vorlagen des Olmützer Augustiners Antonín Lublinský aus, mit Motiven der Anrufungen der Lauretanischen Litanei. Am Gewölbe des Presbyteriums befinden sich drei große Freskenbilder: die Allerheiligste Dreifaltigkeit über dem Hauptaltar, die Verherrlichung Gottes durch drei Caritas-Gestalten in der Mitte und die Himmelfahrt der Jungfrau Maria im dritten Feld.[2]

Gestalt der Kirche

Die Achse der Kirche weist nicht genau von Westen nach Osten, wie bei christlichen Bauten üblich, sondern in Richtung des Mutterklosters Hradisko, sodass man vom Hauptaltar aus auf das Kloster blickt.[2]

Die Fassade ist durch Pilaster senkrecht in drei Felder und durch ein massives Gesims waagerecht in einen unteren und einen oberen Teil gegliedert. Im unteren Teil befindet sich ein Portal mit drei barocken Statuen der Freigebigkeit, der Fama und der Hoffnung von Josef Winterhalder aus dem Jahr 1731; über dem Eingang ist eine Steintafel mit lateinischer Inschrift zur Baugeschichte angebracht. Drei Nischen im unteren Teil der Fassade enthalten Statuen des hl. Stephan, des Patrons des Klosters Hradisko, in der Mitte und der Patrone des Prämonstratenserordens, des hl. Augustinus und des hl. Norbert, an den Seiten. Den oberen Teil der Fassade bekrönt eine steinerne Plastik der Jungfrau Maria vom Svatý Kopeček mit dem Jesuskind.[2]

Die Residenzflügel an den Seiten der Fassade tragen auf dem Dachgesims Plastiken der zwölf Apostel und zweier Pestpatrone, ein Werk von Josef Winterhalder aus dem Jahr 1739. Vor der Kirche stehen auf der Treppe seit 1909 zwei Statuen der hll. Kyrill und Method.[2]

Das Innere ist als einschiffiger Längsbau mit zwei Sakristeien und umlaufenden Kapellen angelegt. Über der Vierung von Haupt- und Querschiff wölbt sich eine geräumige Kuppel von gleicher Höhe und Breite. Das Tonnengewölbe mit Stichkappen ist mit plastischem Stuck und Fresken bedeckt, was nach dem Text der Pfarrei für eine so umfangreiche Stuckarbeit aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den böhmischen Ländern eine Seltenheit ist.[2]

Quellen

  1. Římskokatolická farnost Svatý Kopeček u Olomouce
  2. Římskokatolická farnost Svatý Kopeček u Olomouce