Tschechischer Theatermacher, Schauspieler, Textdichter und Sänger (geb. 1931), Mitbegründer des Prager Theaters Semafor.

Jiří Suchý (geb. 1. Oktober 1931 in Pilsen) ist ein tschechischer Theatermacher, Schauspieler, Textdichter, Sänger, Schriftsteller und bildender Künstler. 1959 gründete er das Prager Theater Semafor mit, in dem er 2026 weiterhin auftritt.[1][2] Seine Geburtsstadt Pilsen verlieh ihm 2001 die Ehrenbürgerschaft.[1]
Anfänge
Seine Kindheit verbrachte er in Klatovy, und seit 1936 lebte er in Prag.[2] Ab Ende der 1940er-Jahre arbeitete er als Grafiker in Werbeateliers. Während des Militärdienstes in den Jahren 1952–1954 war er Schreiber und Kartenzeichner.[2] Mit Viktor Sodoma trat er als Kontrabassist und Textdichter der Gruppe Akord club auf, ab 1957 in der Prager Reduta.[2] Am 10. Dezember 1957 sang Rudolf Cortés seinen ersten aufgenommenen Text Růžový pahorek auf eine Schallplatte.[2] Suchý gehörte zu den Gründern des Divadlo Na zábradlí, wo sein Stück Kdyby tisíc klarinetů gespielt wurde.[2]
Semafor
Das Theater Semafor gründete er 1959 mit Jiří Šlitr und dem Jazzmusiker Ferdinand Havlík.[2] Der Name ist eine Abkürzung des Ausdrucks „sedm malých forem“ (sieben kleine Formen).[3] Die erste Premiere, das Stück Člověk z půdy, fand am 30. Oktober 1959 im Saal der Ženské domovy in der Straße Ve Smečkách statt.[3][4] Nach dem Verlust dieses Saals spielte das Theater mehr als ein Jahr lang an dreizehn verschiedenen Orten und erhielt später eine feste Bühne in der Passage Alfa.[4] Das Duo Suchý und Šlitr brachte 1962 die Kabarettfolge Jonáš a tingl tangl heraus.[3][4] 1964 veröffentlichte Suchý bei Supraphon seine erste eigene Langspielplatte und das Buch mit Liedtexten Klokočí.[2] 1965 hatte der Film Kdyby tisíc klarinetů Premiere.[3]
Jiří Šlitr starb am 26. Dezember 1969.[3] In der Zeit der Normalisierung durfte Suchý das Semafor nicht leiten, und die Tätigkeit des Theaters wurde kurzzeitig eingestellt.[4] Er widerrief seine Unterschrift unter dem Manifest Zweitausend Worte nicht und durfte deshalb laut Semafor ab 1971 weder im Fernsehen noch im Rundfunk auftreten.[3] 1970 kam Jitka Molavcová zum Ensemble, später seine ständige Bühnenpartnerin.[3][4] 1972 hatte Kytice Premiere, die am häufigsten wiederholte Inszenierung des Semafor.[4]
Nach 1989
In den 1990er-Jahren verlor das Semafor die Räume in der Passage Alfa und spielte auf verschiedenen Prager Bühnen.[4] Das Theater hatte dann seinen Sitz im Untergeschoss des Hudební divadlo Karlín, das 2002 vom Hochwasser überflutet wurde.[4] Vorübergehend spielte es im Nostický palác, und seit dem 1. Oktober 2005 hat es eine Bühne in Dejvice.[2][4] Suchý gründete einen eigenen Verlag Klokočí, und seine gesammelten Werke erschienen in 20 Bänden.[2] 2007 brachte das Nationaltheater das Stück Dobře placená procházka von Suchý und Šlitr in der Regie von Miloš Forman auf die Bühne.[2]
Jubiläum 2026
Zum 95. Geburtstag erscheinen das Album Haleluja! Hana Hegerová zpívá texty Jiřího Suchého sowie die Bücher Suchý a Šlitr/Semafor 1959—1969 und Kabaret v duši, das seine Texte mit seinem grafischen Schaffen verbindet.[1] Auf der Bühne des Semafor soll er laut Plzeňský deník am 6. Oktober 2026 in der Sendung Extravagantní díkuvzdání Jiřímu Šlitrovi auftreten.[1]
Quellen
- Plzeňský deník — 1. Oktober 2026
- Divadlo Semafor
- Divadlo Semafor
- ČT24 — 30. Oktober 2019